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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
133
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. § 2. 133

der Marktrelatiön und dem Wertverliältnis des amerikanischen Münz-gesetzes. Infolgedessen gewann auch in den Vereinigten Staaten derSilbertf.mlauf die ausschliefsliche Herrschaft. Die wenigen Goldmünzen,welche sich in der amerikanischen Cirkulation hielten, bekamen einAufgeld, das in den 20 er Jahren des 19. Jahrhunderts bis auf 5 Proz.stieg. Der gröfste Teil des amerikanischen Geldumlaufs bestand ausfremden Silbermünzen, namentlich aus spanischen Piastern, die zu einemgesetzlich festgestellten Kurs cirkulierten.

Bei der frühzeitigen Entwicklung der amerikanischen Volkswirt-schaft und bei den lebhaften Verkehrsbeziehungen zu England wurdeder Goldumlauf nur ungern vermifst. Um die Schaffung und Erhaltungeines Goldumlaufs zu ermöglichen, wurde durch ein Gesetz vom 28. Juni1834 der Feingehalt des Golddollars so weit verringert, dafs das Wert-verhältnis der amerikanischen Doppelwährung sich auf 1 :16 stellte.

Damit war die gesetzliche Relation wieder in leidliche Überein-stimmung mit dem Wertverhältnis auf dem Markte gebracht, und währendeiniger Jahre hielten sich Gold- und Silberprägungen ungefähr dieWage. Vom Beginn der 40 er Jahre an begannen jedoch die Gold-prägungen das Übergewicht zu gewinnen, und der von 1848 an ein-tretende Rückgang des Goldwertes bewirkte, dafs sich einheimischeSilbermünzen bald nur noch mit Agio im Verkehr hielten und dafsneben ihnen zahlreiche ausländische Silbermünzen, die mit schwanken-dem Kurswerte umliefen, den Dienst von Scheidemünzen versahen.

So hatte sich schliel'slich um die Mitte des 19. Jahrhunderts überallein stark überwiegender Umlauf des einen oder des andern der beidenEdelmetalle herausgebildet, und zwar ebenso sehr in den Ländern mitgesetzlicher Doppelwährung, wie in den Ländern, deren Gesetzgebungdie einfache Währung sei es die Goldwährung oder Silberwährung sanktioniert hatte.

Bei dieser Verteilung der beiden Metalle herrschte das Silbergeldunbedingt vor auf dem europäischen Kontinent und in dem gröfstenTeile der aufsereuropäischen Welt, namentlich' in den grofsen StaatenAsiens, in Vorder- und Hinterindien, in China und Japan. Neben Eng-land hatten nur einige kleinere Staaten, wie Portugal , ferner die Ver-einigten Staaten von Nordamerika und englische Kolonien, wie Canada undAustralien , einen überwiegenden, aber an sich unbedeutenden Goldumlauf.

Diese ungleiche Teilung der Welt in Gold- und Silberländer schiendurch den Stand der Edelmetallproduktion für längere Zeit festgelegtzu sein. Die geringfügige Vermehrung des Weltgoldbestandes durchdie damalige Goldproduktion liefs von einem Übergang zur Gold-währung gar nicht zu reden einen ausgiebigeren Gebrauch des Goldeszu Geldzwecken selbst dort unmöglich erscheinen, wo die Doppelwäh-