rung Gold und Silber formell auf gleichem Fufs behandelte. So sehrauch gerade in den 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts deraus der steigenden Verwendung der Dampfkraft hervorgegangene Auf-schwung aller wirtschaftlichen Verhältnisse eine stärkere Verwendungvon Goldgeld für die Länder des europäischen Kontinents als wünschens-wert erscheinen liefs: praktische Folgen für die internationalen Wäh-rungsverhältnisse und für die Münzpolitik der einzelnen Staaten konntensich daraus nicht ergeben, solange nicht genug Gold vorhanden war,um den Platz des Silbers im Geldumlauf auszufüllen.
§ 3. Die kalifornischen und australischen Goldfunde und ihre Wirkungauf den Edelmetallmarkt.
134 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bewirkte ein Zusammentreffenverschiedener Ereignisse eine vollständige Umwälzung sowohl in den Pro-duktions- als auch in den Nachfrageverhältnissen der beiden Edelmetalle.
Die enorme Zunahme der Goldgewinnung infolge der Entdeckungder Goldfelder in Kalifornien und Australien ist bereits dargestelltworden. In den zwei Jahrzehnten von 1850 bis 1870 wurde Goldproduziert im Gewicht von nahezu 4 Millionen kg und im Werte vonfast 11 Milliarden Mark. Diese Vermehrung des Weltgold Vorrates wargröfser als der heutige Goldumlauf in Deutschland, Frankreich undEngland zusammen genommen, der insgesamt nur etwa 9 MilliardenMark erreicht. Der Kulturwelt war auf einen Schlag das Materialfür eine erhebliche Ausdehnung des Gebrauchs von Goldgeld zur Ver-fügung gestellt, und das in einer Zeit, in der ein glänzender Aufschwungder Produktions- und Transporttechnik überall auf wirtschaftlichemGebiete die Verhältnisse ins Riesenhafte wachsen liefs, in der durch dieVergröfserung der Umsätze und die Steigerung des Verkehrs ein wert-volleres und deshalb bequemeres Zahlungsmittel als das Silber immermehr als dringendes Bedürfnis erschien.
Gleichzeitig mit dem enormen Neuangebot von Gold trat eine be-trächtliche Steigerung der Nachfrage nach Silber ein, und zwar zurVersendung nach Asien . Der Bedarf war teilweise verursacht durchgrofse indische Silberanleihen, die zu Eisenbahnbauten, zur Bekämpfungder häufig wiederkehrenden Hungersnot und zur Unterdrückung desgrofsen Eingeborenenaufstandes von 1857 aufgenommen wurden. Zumandern Teil lag der Grund der vermehrten Silberverschiffungen in dergesteigerten indischen Ausfuhr. Vor allem machte der amerikanischeBürgerkrieg für einige Jahre die Zufuhr von Baumwolle aus den Süd-staaten der Union unmöglich, und die europäische Baumwollindustriesah sich dadurch genötigt, Ersatz in der indischen Baumwolle zusuchen. Indiens Mehrausfuhr von Waren entwickelte sich in jenerZeit folgendermafsen: