4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. §5. 139
erfahren, die sich bis zum Jahre 1873 erstreckte. Die meisten Waren-preise haben in jener Zeit, trotz der Verbesserung und Verbilligungder Produktion und des Transports durch technische Fortschritte, einewesentliche Steigerung erfahren. Nach der Statistik des Londoner „Economist" ist die Durchschnittszahl (index number) aus 22 wichtigenWarenpreisen von 1845—50 bis 1873 von 100 auf 134 Prozent gestiegen.Aber infolge der Verknüpfung mit dem Schicksal des Goldes hatgleichzeitig auch das Silber ungefähr in demselben Mafse an Kauf-kraft verloren. Das zeigt sich darin, dafs nicht nur die in London nach Goldgeld berechneten Warenpreise eine Steigerung erfuhren, sonderndafs auch die Preise in Silberwährungsländern sich nach derselbenEichtling entwickelten. Nach einer Statistik, die Soetbeer auf Grundder hamburgischen Preise aufgestellt hat, ist die Verhältniszahl von100 in den Jahren 1847—50 auf 127,75 im Jahre 1871, dem letztenJahre der deutschen Silberwährung, gestiegen. Die vermehrte Gold-produktion hat mithin schon damals ihren Einflufs nicht nur auf denWert des Goldes, sondern auch auf den Wert des für Indien starkgefragten Silbers ausgeübt, da das neue Gold für die europäischenLänder einen willkommenen Ersatz für das Silber darstellte und mithindas Silber in grofsem Umfange entbehrlich machte.
§ 5. Die MaCsregeln der Doppelwährungsländer zur Erhaltungeines ausreichenden Silberumlaufes.
Der Fortschritt, welcher in der Ersetzung des Silberumlaufsdurch eine Goldcirkulation bestand, war allerdings nicht ganzfrei von gewissen unangenehmen Nebenwirkungen. Wo die Doppel-währung für die Cirkulation des Goldes einen gesetzlichen Bodengewährte,- nahm die Verdrängung des Silbers einen solchen Um-fang an, dafs sich bald ein empfindlicher Mangel an Silbermünzenfür den kleinen Verkehr fühlbar machte. Am frühesten zeigte sichdas — wie bereits erwähnt — in den Vereinigten Staaten , derenDoppelwährung das Gold noch wesentlich höher bewertete als dieDoppelwährung Frankreichs . Dann machten sich dieselben Mifsständein Frankreich und den übrigen Ländern der Frankenrechnung geltend.Sowohl diesseits als auch jenseits des Oceans stellte sich die Notwendig-keit ein, Mafsregeln zu treffen, um das Silber in dem für die kleinerenZahlungen notwendigen Umfange im Verkehr zu halten.
Zuerst gingen die Vereinigten Staaten mit einer Änderung ihresMünzgesetzes vor. Die Münzverfassung Englands zeigte den Weg.Durch ein Gesetz vom 21. Februar 1853 wurden die Silbermünzen vomt/2 Dollarstück abwärts in Scheidemünzen verwandelt. Ihr Feingehaltwurde soweit verringert, dafs sich daraus ein Wertverhältnis von1:14,88 zwischen Silber und Gold ergab; ihre Prägung wurde in die