4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. §6. 5 41
prägbare Courantmünze erhalten; die gesetzliche Doppelwährung bliebmithin bestehen, wenn auch die Prägung von Fünffrankenstücken zurvölligen Bedeutungslosigkeit herabsank.
Belgien, die Schweiz und Italien hatten bei den Verhandlungenüber den Münzvertrag den sofortigen Übergang zur Goldwährung ver-langt; aber in Frankreich arbeiteten einflufsreiche Kreise, namentlichdie Haute Finance und die Bank von Frankreich , für die Erhaltungder Doppelwährung, und die französische Regierung widersetzte sichdeshalb dem Verlangen der übrigen Münzbundstaaten.
Sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die Länder desLateinischen Münzbundes schuf die Doppelwährung mit Silberscheide-münzen befriedigende Verhältnisse, solange das Wertverhältnis derEdelmetalle die formell fortbestehende freie Silberprägung praktischnicht zuliefs. Unter dieser Bedingung brachte das System alle Vor-teile der reinen Goldwährung: einen überwiegenden Goldumlauf undeinen hinreichenden Silberumlauf für den kleinen Verkehr.
Ein Umschwung im Wertverhältnis zu Gunsten des Goldes mufstedie Lage ändern. Sobald das Silber wieder unter den ihm beigelegtenWert zurückging und damit die Silberprägung wieder anfing, lohnendzu werden, entstand für die Länder mit der modifizierten Doppel-währung dieselbe Frage, vor die sich England am Ende des 18. Jahr-hunderts gestellt sah, und die es ohne Besinnen mit der Preisgabedes Doppelwährungssystems löste: die Frage, ob sie ihren überwiegen-den Goldumlauf durch das Silber verdrängen lassen wollten.
Aber diese eigentlich entscheidende Frage stand vorläufig nochim Hintergrunde, und ehe sie praktisch wurde, traten Ereignisse ein,welche ihre schliefsliche Lösung stark beeinflufsten und beschleunigten.Inzwischen Avendeten sich die Interessen des Tages mit Eifer einemProblem zu, dessen bisher rein theoretische Erörterung durch den Ab-schlufs des Lateinischen Münzbundes seiner Verwirklichung nahe ge-rückt schien, der Idee einer Weltmünzeinheit,
§ 6. Weltmünzbund und internationale Währungsfrage.
Der Gedanke einer Weltmünzeinheit ist fast so alt, wie die Ver-schiedenheit der Münzverfassung der einzelnen Länder. Gewisse ganzauf der Oberfläche liegende Vorteile, die Ersparung der Umwechselungund der Umrechnung u. s. w. und die ideale Vorstellung eines Zu-sammengehens der ganzen Menschheit in einer bestimmten Einrichtunghaben ihm stets Anhänger verschafft. Besonders nahe mufste der Ge-danke eines Weltmünzbundes in einer Zeit liegen, in welcher die Mensch-heit noch unter dem frischen und vollen Eindruck des gewaltigen Fort-schrittes stand, der aus der Erleichterung des Verkehrs von Nationzu Nation hervorgegangen war. Nachdem die Errungenschaften der