142 Erstes Buch. IL Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
modernen Technik die Überwindung des trennenden Raumes erleichtertund so die natürlichen Schwierigkeiten des internationalen Verkehrswesentlich vermindert hatten, war man bestrebt, auch die künstlichenHindernisse zu beseitigen. Unter der lebhaften Mitwirkung Napoleons III.war in den Handelsverträgen mit England , dem Zollverein und andernStaaten die bisherige Politik der Absperrung preisgegeben worden.Ebenso wie durch die Herabsetzung der Zollschranken wollte man deninternationalen Güteraustausch fördern durch die Einführung einesuniversellen Mafs- und Gewichtssystems und durch die Begründungeiner Weltmünzeinheit. In der That ist es den Franzosen gelungen,ihrem metrischen Mafs- und Gewichtssystem eine nahezu universelleVerbreitung zu geben. In der Münzfrage jedoch stiefsen diese kosmo-politischen Bestrebungen auf grofse Schwierigkeiten.
Der eifrigste Förderer des Gedankens eines Weltmünzbundes inner-halb des französischen Regierung war Herr De Paeibu , Vicepräsidentund später Präsident des Staatsrates. Für ihn war der LateinischeMünzbund nur eine Vorstufe für die erstrebte Weltmünzeinheit. ImText des Lateinischen Münzvertrags selbst war dieser Gedanke zumAusdruck gebracht. Der Artikel 12 des Vertrags lautete:
„Das Recht zum Beitritt zur gegenwärtigen Übereinkunft istjedem Staate vorbehalten, der ihre Verbindlichkeiten übernehmen unddas Vereinsmünzsystem in Betreff der Gold- und Silbermünzen ein-führen will."
Aufserdem teilte Frankreich den Vertrag sofort nach seinem Ab-schlufs den Regierungen der wichtigeren Staaten mit und forderte siezum Beitritt auf.
Der Erfolg des französischen Vorgehen entsprach nicht der be-geisterten Aufnahme, den der Abschlufs des Lateinischen MiinVertragsbei der kosmopolitisch gestimmten Meinung der meisten Kulturstaatengefunden hatte. Nur Griechenland trat der Münzunion formell bei;der Kirchenstaat, Spanien und Rumänien nahmen auf dem Wege derautonomen Gesetzgebung, ohne sich dem Münzvertrage anzuschliefsen,das Frankensystem an. Bei allen übrigen Regierungen stiefs die Auf-forderung Frankreichs auf grofse Bedenken, die teilweise aus der Rück-sicht auf das eigene, seit langer Zeit eingebürgerte Münzsystem derbetreffenden Länder hervorgingen. Namentlich der Umstand, dafs dieLateinische Münzunion auf Grund der Doppelwährung errichtet war, ver-anlafste die fremden Regierungen fast allgemein zu einer grofsen Zurück-haltung, und es zeigte sich, dafs eine befriedigende Entscheidung derWährungsfrage die erste Voraussetzung für einen Weltmünzbund sei.
Die französische Regierung suchte die Schwierigkeiten zu über-winden, indem sie anläfslich der Pariser Weltausstellung von 1867einen grofsen internationalen Meinungsaustausch über die Weltmünze