4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. § 6. 143
veranstaltete. Auf der von ihr berufenen internationalen Münzkonferenzwaren 19 europäische Regierungen und aufserdera die VereinigtenStaaten von Amerika offiziell vertreten. Zwar hatte die Konferenznur den Charakter einer unverbindlichen Besprechung; sie sollte keineBeschlüsse von praktischer Tragweite fassen, sondern nur die Grund-lage für weitere diplomatische Verhandlungen liefern. Aber trotzdemgewähren ihre Verhandlungen einen interessanten und wichtigen Einblickin die Stellung der verschiedenen Regierungen zur Münzfrage, in ihreBeurteilung der münzpolitischen Situation und in ihre münzpolitischenAbsichten, namentlich soweit die Währungsfrage in Betracht kommt.
In Bezug auf die Weltmünzeinheit selbst kam es nur zu Be-schlüssen ganz allgemeinen Inhalts. Es wurde empfohlen, bei künftigenMünzreformen in Ländern, die noch nicht das Frankensystem ange-nommen hätten, das goldene Fünffrankenstück als „denominateurcommun", als „gemeinsamen Nenner" anzunehmen, d. h. eine Rech nun gs-einheit, die in einem einfachen Verhältnis zu dieser Münze stehe, demMünzsystem zu Grunde zu legen. Aber die wichtigsten Staaten,namentlich England, die deutschen Staaten und Holland , machten sofortweitgehende Vorbehalte, indem sie erklärten, dafs sie mit Rücksicht aufihre wohlbewährten und in den Volksgewohnheiten eingewurzeltenSysteme ihren Beitritt zu einem internationalen Münzsystem nicht insichere Aussicht stellen könnten.
Während man in Bezug auf das internationale Münzsystem überdas „non liquet" nicht hinauskam, herrschte in Bezug auf die Währungs-frage nahezu völlige Einstimmigkeit. Es fanden umfangreiche Ver-handlungen darüber statt, auf Grund welchen Währungssystems eineWeltmünzeinheit errichtet werden könne; und diese Frage wurde mitallen Stimmen gegen die eine der Niederlande dahin entschieden, dafsweder die Silber Währung, noch die Doppelwährung, sondern nur diereine Goldwährung in Betracht komme.
Dieser Beschlufs brachte die übereinstimmende Meinung der aufder Konferenz vertretenen Regierungen zum Ausdruck, dafs die Gold-währung das Währungssystem der Zukunft sei. Die dem Beschlufsvorausgegangenen Verhandlungen liefsen keinen Zweifel darüber be-stehen, dafs die bereits im Besitz der Goldwährung befindlichen Staatenunter keinen Umständen gesonnen waren, die Goldwährung wiederpreiszugeben, und dafs ferner die in absehbarer Zeit vor der Not-wendigkeit einer Geldreform stehenden Länder die Goldwährung alsdie Grundlage ihres künftigen Geldwesens anstrebten. Die englischeRegierung erklärte auch in der Folgezeit auf das bestimmteste, dafssie unbediugt bei der Goldwährung bleiben werde und dafs jede Münz-einigung mit einem Doppelwährungslande ausgeschlossen sei. Belgien ,die Schweiz und Italien , die schon bei der Begründung des Lateinischen