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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
144
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144 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung- der Edelmetall Verhältnisse.

Münzbundes die Goldwährung als Grundlage, gefordert hatten, vertratennach wie vor dieselbe Meinung. Österreich hatte bereits im Jahre 1854beim Beginn der Verhandlungen über den Wiener Münzvertrag denUbergang zur Goldwährung verlangt; sein Vertreter auf der PariserKonferenz vertrat dieselbe Forderung und schlofs wenige Tagenach Schlufs der Konferenz mit Frankreich eine Präliminarkonventionüber Österreichs Beitritt zur Münzunion ab, welche als Vorbedingungfür beide Teile ausdrücklich den Übergang zur Goldwährung festsetzte.Die Vereinigten Staaten von Amerika, die damals ebenso wie Öster-reich Papierwährung hatten, zeigten sich gewillt, ihr Geldwesen aufder Basis der Goldwährung wiederherzustellen. Das Gold war vordem Bürgerkriege, der die Ausgabe von Papiergeld mit Zwangskurs ver-anlafst hatte, das fast ausschliefsliche Zahlungsmittel gewesen, und dieThatsache des formellen Fortbestehens der Doppelwähi'ung war geradezuin Vergessenheit geraten. Das zeigte sich auch während der Papier-geldperiode darin, dafs die Zölle in Gold erhoben wurden und dafsdie Auszahlung der Zinsen der Nationalschuld in Gold erfolgte. Überdas Doppelwährungssystem urteilte der Vertreter der VereinigtenStaaten auf der Pariser Konferenz folgendermafsen:

Die Gesetzgeber und das Volk der Vereinigten Staaten habengenugsam die Erfahrung gemacht, wenn nicht durch Studien, so dochdurch die Erfahrung, dafs das System der Doppelwährung nicht nureine Unklugheit, sondern eine Unmöglichkeit ist."

Zurückhaltender sprachen sich bei aller Anerkennung der Vorzügeder Goldwährung nur die deutschen Vertreter und diejenigen derskandinavischen Staaten aus. Der preufsische Delegierte erklärte, nichtzu wissen, wann und wie in Preufsen der Übergang von der Silber-währung zur Goldwährung stattfinden könne, und die skandinavischenVertreter machten den Übergang zur Goldwährung abhängig vomVerhalten Deutschlands , auf das sie handelspolitisch am meisten an-gewiesen waren.

Der einzige Staat, welcher sich dem Übergang zur Goldwährunggrundsätzlich abgeneigt zeigte, waren die Niederlande . Ihr Vertretererklärte die Doppelwährung theoretisch für die vollkommenste Münz-verfassung, aber trotzdem stimmte er für eine Doppelwährung nurunter der Voraussetzung, dafs ein allgemeiner Münzverein auf dieserGrundlage zu stände käme. Eine isolierte Doppelwährung hielt er fürundurchführbar. Eine universelle Doppelwährung aber war, wie sichauf der Konferenz zeigte, gänzlich aussichtslos.

Diese grofse internationale Aussprache über die Währungsfrage istein bleibendes Dokument für die damalige Zeitströmung, die sich völligzu Gunsten der Goldwährung gewendet hatte. Man hat die Bedeutungdieser Aussprache in neuerer Zeit herabzusetzen versucht mit der Be-