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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
145
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. § 6. 145

hauptung, die Pariser Konferenz habe sich nicht für die Goldwährung-entschieden, sondern nur dafür, dafs die Münzeinheit auf Grundlage derGoldwährung erreicht werden solle. 1 ) Nachdem später die Münzeini-gungsbestrebungen sich als aussichtslos gezeigt hätten, sei auch derBeschlufs der Pariser Konferenz zu Gunsten der Goldwährung gegen-standslos geworden; man könne deshalb aus diesem Beschlüsse nichtfolgern, dafs eine starke Strömung zu Gunsten der Goldwähning inder Kulturwelt vorhanden gewesen sei.

Bei dieser Argumentation wird der Inhalt der Verhandlungen überden Beschlufs gänzlich ignoriert; aus diesen Verhandlungen geht, wieoben gezeigt wurde, deutlich hervor, dafs die Vertreter der einzelnenStaaten die Goldwährung nicht lediglich als Mittel zum Zweck einerMünzunion betrachteten, sondern dafs sie die Goldwährung an sichfür das vollkommenste Geldsystem ansahen und dafs sie ganz ohne Rück-sicht auf ein etwaiges Zustandekommen des Weltmünzbundes gewilltwaren, die Goldwährung, wo sie bestand, festzuhalten, wo sie nichtbestand, auf ihre Einführung Bedacht zu nehmen. Es wird aufserdemübersehen, dafs die Goldwährung ihrer Natur nach nicht lediglich Mittelzum Zweck eines Weltmünzbundes sein konnte, ein Mittel, das durchdie Aussichtslosigkeit jenes Zweckes seinen Wert verloren hätte. Derwichtigere Teil der von einem Weltmünzbunde zu erwartenden Vor-teile war bereits auf dem Boden der blofsen Währungsgleichheit zuerreichen, und deshalb war kein Grund vorhanden, nach dem Scheiternder Weltmünzidee auch auf eine Währungsgleichheit zu verzichten.Und das Votum der Pariser Konferenz, dafs die Münzeinheit nur aufGrundlage der Goldwährung erreichbar sei, besagte gleichzeitig, dafsauch eine Währungsgleichheit für die Kulturvölker nur auf Grundlageder Goldwährung gedacht werden könne. Wenn man mit einem raschenBlick die seitherige Entwicklung überfliegt, dann sieht man, dafs dieThatsachen inzwischen dieser Auffassung Recht gegeben haben. Nichtshat in den letzten drei Jahrzehnten so sehr zur Ausbreitung derGoldwährung beigetragen, als die immer enger werdende Verkettungder handelspolitischen und finanziellen Interessen der Völker, die eineWährungsgleichheit gebieterisch verlangt.

Alles in allem geben die Pariser Verhandlungen davon Zeugnis,wie sehr die Goldfunde nicht nur die thatsächlichen Verhältnisse desGeldumlaufs in der Kulturwelt, sondern auch die währungspolitischenAnsichten in kurzer Zeit umgewandelt hatten. Von der Demonetisationdes Goldes in den Niederlanden im Jahre 1847, welche gewissermafsenden Glauben an die Silberwährung besiegelte, bis zur Pariser Konferenzvon 1867, welche die Goldwährung als das System der Zukunft prokla-

l) Vergl. die Drucksachen No. 14 und 20 der deutschen Silberkommission von 1894.Helfperich, Das Geld. 10