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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
146
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146 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

mierte, : eine kurze Spanne von zwei Jahrzehnten! Das Überhandnehmender Goldcirkulation in grofsen Gebieten und die Wandlung - der währungs-politischen Auffassung hatte den Boden vorbereitet für eine neue Ära derMünzgesetzgebung, als deren Aufgabe es sich darstellte, den Goldumlauf,wo er bestand, ohne durch die gesetzliche Goldwährung gesichert zu sein,dauernd zu erhalten und ihn dort, wo er infolge der bestehenden Münz-verfassung keinen Eingang finden konnte, zu ermöglichen.

Es fehlte nur noch der Anstofs, um den Stein ins Rollen zu bringen.

Wie die Dinge in der zweiten Hälfte der 60 er Jahre lagen, mufsteman erwarten, dafs dieser Anstofs von Frankreich ausgehen werde.Frankreich hatte in der münzpolitischen Entwicklung die Führungübernommen; sein Ehrgeiz, einen Weltmünzbund unter französischerHegemonie zu stände zu bringen, mufste es weiter vorwärts drängen;nach der Richtung der Goldwährung schon deshalb, weil nach denErklärungen der Pariser Konferenz die Goldwährung die unerläfslicheVorbedingung für einen Weltmünzbund war.

Sobald aber Frankreich endgültig die Doppelwährung preisgab unddie Goldwährung annahm, war für die Länder der europäischen Kulturdie Währungsfrage praktisch entschieden. Dafs die Schweiz, Belgien undItalien sich einem solchen Schritte mit Freuden angeschlossen hätten,war sicher. Gegenüber diesen Staaten, gegenüber England und seinenwichtigsten Kolonien und gegenüber dem fast ausschliefslich auf Goldberuhenden Welthandel wären Deutschland, Holland und Skandinavien mit ihrer Silberwährung in eine währungspolitische Isolierung geraten.

Es war für Deutschland ein grofses Glück, dafs es nicht vor dieseEventualität gestellt wurde und dafs in Frankreich die Anhängerschaftder Doppelwährung immer noch stark genug war, um dort ein entschlos-senes Vorgehen zu verzögern. Noch im März 1867, einige Monate vorder internationalen Konferenz, hatte sich eine Kommission mit 5 gegen3 Stimmen für die Beibehaltung der Doppelwährung entschieden. Nunwurde im Jahre 1868 eine neue Münzkommission berufen, die eineumfangreiche Enquete veranstaltete und Gutachten der Handelskammern,der General-Steuereinnehmer und der Bank von Frankreich einholte.Letztere beharrte noch immer auf dem Standpunkte der Doppelwährung;aber von 66 Handelskammern erklärten sich 45, von 91 Steuerein-nehmern 69 für die Goldwährung. Die Enquetekommission selbstempfahl mit 17 von 23 Stimmen die Beseitigung des Silbercourant-geldes, mindestens aber die sofortige Einstellung oder Beschränkungder Ausprägung silberner Fünffrankenstücke und die Beschränkungihrer Zahlungskraft auf Beträge bis zu 100 Frs.

Der doppelwährungsfreundliche Finanzminister Magne unterwarfsich jedoch nicht den Beschlüssen der Enquetekommission, sondernsetzte es durch, dafs die Frage an ein neues Forum zur nochmaligen