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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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5. Kapitel. Die deutsche Miinzrefonn. § 1.

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Beratung verwiesen wurde, nämlich an den Conseil Superieur duCommerce, de l'Agriculture et de l'Industrie. Dieser Conseil begannseine Verhandlungen im November 1867 und beendete seine Arbeitenerst im Juli 1870, nach Ausbruch des Krieges mit Deutschland ; er ver-nahm eine grofse Anzahl von Sachverständigen aller Länder und allerParteien und gab sein Schlufsvotum mit beträchtlicher Mehrheit zuGunsten der Goldwährung ab.

Aber jetzt war die Zeit für eine französische Initiative auf demGebiete des Geldwesens vorüber. Der Krieg machte zunächst jedeMafsregel unmöglich, und in seinen Folgen brachte er eine Umwälzungder Verhältnisse, durch welche die Führung auch auf währungspoliti-schem Gebiete von Frankreich an Deutschland überging.

5. Kapitel. Die deutsche Münzreform.

§ 1. Der Zustand des deutschen Geldwesens vor der Reform.

Die deutsche Münzreform nimmt in der neuesten Entwicklung desGeldwesens eine so hervorragende Stellung ein, dafs es sich schon darausrechtfertigt, sie an dieser Stelle etwas eingehender zu behandeln. Derganze moderne Währungsstreit geht auf die deutsche Münzreform zurück,und ein begründetes Urteil in dieser vielumstrittenen Frage ist nurmöglich auf Grund der Erkenntnis der Stellung, welche der deutschen Münzreform in dem Entwicklungsprozefs der internationalen Währungs-verfassung zukommt.

Die Verhältnisse, aus welchen die Bestrebungen nach einer Reformdes deutschen Geldwesens ursprünglich hervorgegangen waren, hattenmit der internationalen Entwicklung des Geldwesens nichts zu thuh,sondern waren durchaus nationaler Natur. Der von Alters her ammeisten beklagte Mifsstand im deutschen Geldwesen war die Vielheit derin den einzelnen Territorien geltenden Münzsysteme sowie die Mannig-faltigkeit und der schlechte Zustand der einzelnen Münzsorten, dieteilweise aus längst abgeschafften Prägesystemen herrührten.

Zur Zeit der Münzreform bestanden im neuen Deutschen Reichnoch sechs verschiedene Münzsysteme: die Thalerwährung im gröfstenTeil von Nord- und Mitteldeutschland , die Guldenwährung in den süd-deutschen und einigen mitteldeutschen Staaten, die Franken Währungin den neu erworbenen Reichslanden, die Lübische Währung in denfreien Städten Hamburg und Lübeck , die auf Feinsilber begründeteBankowährung für den hamburgischen Grofshandel. die Thalergold-währung in Bremen . Die Thalerwährung selbst zerfiel in verschiedeneSysteme: in das preufsische, welches den Thaler in 30 Silbergroschenzu 12 Pfennigen einteilte, während der Groschen in Sachsen und einigenmitteldeutschen Staaten nur zu 10 Pfennigen gerechnet wurde undwährend man in Mecklenburg nach Thalern zu 48 Schilling rechnete.

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