Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

5. Kapitel. Die deutsche Münzreform. § 1.

149

Münzregal " wurde stets als eines der wichtigsten Souveränitätsrechteangesehen, von dem nichts preisgegeben werden dürfe. Dadurch warvor der Reichsgründung eine einheitliche Ordnung des deutschen Geld-wesens unmöglich gemacht. Alles, was sich erreichen Ii eis, waren Münz-verträge zwischen den Staaten des Zollvereins , die gewisse einheitlicheGrundsätze für die Münzprägung enthielten und den Thaler und Doppel-thaler zur Vereinsmünze mit gesetzlicher Zahlungskraft im ganzenVereinsgebiete machten. Im Jahre 1837 hatten sich die süddeutschenStaaten bereits zu einem Münzverein zusammengeschlossen, der dieGulden Währung einheitlich regelte; 1838 folgte ein Münz vertrag zuDresden zwischen den sämtlichen Staaten des Zollvereins. Der wich-tigste dieser Verträge war der Wiener Münzvertrag vom 24. Januar 1857,der auch Österreich mit einbezog. Da Österreich jedoch aus seinerPapierwährung nicht herauskam, wurde der Münz verein mit diesemStaate nur insoweit wirksam, als eine Anzahl von Vereinsthalern mitgesetzlicher Zahlungskraft im ganzen Vereinsgebiete auch in Österreich geprägt wurde. Nach dem Kriege von 1866 schied Österreich aus demMünzverein aus.

Neben der Münzzersplitterung war ein grofser Mifsstand desdeutschen Geldwesens der Mangel eines ausreichenden und geordnetenGoldumlaufes, ein Fehler, der in der deutschen Währungsverfassungbegründet war und sich mit dem Fortschreiten der wirtschaftlichenEntwicklung und der Vergröfserung des Volkswohlstandes immer mehrfühlbar machte. Das Fehlen eines ausreichenden Goldumlaufs be-günstigte, da die Silbermünzen für jede gröfsere Zahlung zu unbequemwaren, ein starkes Überhandnehmen des Umlaufs papierner Geldzeichen.Namentlich die kleineren deutschen Staaten machten sich diese Ver-hältnisse zu nutze und brachten grofse Mengen von Papiergeld in denVerkehr, meist in Scheinen, die auf ganz kleine Beträge, bis herabzu 1 Thaler, lauteten und für deren Sicherstellung entweder überhauptkeine oder nur ungenügende Vorkehrungen getroffen waren. Ähnlichverhielten sich die meisten Notenbanken, die durch die Ausgabe un-gedeckter Banknoten möglichst hohe Gewinne zu erzielen suchten.

Da man dem Publikum unmöglich zumuten konnte, sich mit demlästigen Silber abzuschleppen, war die einzige Möglichkeit, das be-drohliche Übermafs von Papiergeldzeichen einzuschränken, die Schaffungeines den Bedürfnissen des gesteigerten und verfeinerten Verkehrs ent-sprechenden Umlaufs von Goldmünzen.

Nach der gleichen Richtung hin wirkte die bereits geschilderteEntwicklung der internationalen Währungsverhältnisse. Uberall hatteder Gebrauch von Goldgeld eine bedeutende Zunahme erfahren, überallzeigten sich wie insbesondere auf der Pariser Münzkonferenz von1867 hervortrat in wachsender Stärke Bestrebungen, den Gold-