6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung- und die Silberentwertung. § 4. 195
ansehen, als einen circulus vitiosus betrachten: Die Münzgesetzgebung-verschuldete die Silberentwertung, und die Silberentwertung veranlasstewieder ein weiteres Umsichgreifen der silberfeindlichen Gesetzgebung.
Eine Betrachtung der geschichtlichen Vorgänge wird uns darüberbelehren, ob wirklich in der gesamten währungspolitischen Entwick-lung der letzten Jahrzehnte ein solcher fehlerhafter Cirkel vorliegt.
Wir haben die Währungsverhältnisse der Welt in der erstenHälfte des 19. Jahrhunderts in einer gewissen Stabilität gesehen; erstdie von den kalifornischen Goldfunden eingeleitete Umwälzung derProduktionsverhältnisse der Edelmetalle hat neues Leben in den Ent-wicklungsprozefs gebracht.
Das neugewonnene Gold wurde von den Ländern, die sich bisherüberwiegend des Silbers bedient hatten, bereitwillig als Geldstoff auf-genommen; denn die wirtschaftliche Entwicklung hatte den vermehrtenGebrauch von Goldgeld wünschenswert gemacht. Die vermehrte Pro-duktion fand mithin ihr Gegengewicht an einem starken Verkehrsbedarfund an einer vermehrten monetären Verwendung. Dafs die Ländermit Doppelwährung die Verdrängung ihres bisherigen Silberumlaufsdurch das neue Gold ruhig geschehen liefsen, dafs die Länder mitSilberwährung, vor allem Deutschland , sich einen Goldumlauf zu ver-schaffen wünschten, war die einfache Folge der unbestreitbaren That-sache, dafs für den gröfseren Teil des modernen Verkehrs das Goldein tauglicherer Geldstoff ist als das Silber. Das vermehrte Angeboteines tauglicheren Verkehrsmittels hat nun die notwendige Wirkung,die Nachfrage nach dem weniger tauglichen zu vermindern, ja selbsteinen Teil der bisher verwendeten weniger tauglichen Verkehrsmittelfreizusetzen. Mit andern Worten: Die starke Vermehrung der Gold-produktion mufste das Bedürfnis des Verkehrs nach Silbergeld ein-schränken und damit die Tendenz zu einer Entwertung des Silbersschaffen. Wie wenig dieser Zusammenhang eine Konstruktion ex postist, wird dadurch bezeugt, dafs diese Ansicht schon zu einer Zeit aus-gesprochen wurde, als die Umwälzungen in der Währungsgesetzgebungund die Silberentwertung noch nicht eingetreten waren. Soetbeerschrieb in der Hamburger Börsenhalle vom 15. Juli 1869: „Wie paradoxes anfangs vielleicht lauten mag, es liegt doch eine gewisse Wahrheit darin,dafs im grofsen und ganzen genommen und auf die Dauer die aufser-ordentliche Steigerung der Goldproduktion mehr auf die Wertverringe-rung des Silbers als des eigenen Produkts ihre Wirkung äufsern mufs".
Und die Rolle der Münzgesetzgebung in diesen aus der allgemeinenwirtschaftlichen Entwicklung und den Produktionsverhältnissen derEdelmetalle resultierenden Vorgängen ?
Die Münzgesetzgebung ist, wie bereits in einem früheren Abschnittgelegentlich der Sperrung der englischen Silberprägung im Jahre 1798
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