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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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201
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6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. 1

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Markte, und diese Notierungen ergeben, dafs Schwanknngen\«Mt4ln^-nfanden zwischen 1: 16,66 und 1 :15,15. Die Schwankungen de^ l "" ,,,lJahresdurchschnitte stellen sich auf 1 : 15,94 bis 1 :15,33. Die Spannungder Jahresdurchschnitte war in Paris etwas kleiner als in London , diegröfste Spannung der einzelnen Kurse dagegen war in London kleinerals in Paris .

Die Thatsache , dafs Schwankungen um das gesetzliche Wertver-hältnis-auch in Paris selbst stattfanden, und zwar ungefähr in dem-selben Umfange wie in London , steht mithin fest. Die Erklärungdieser Schwankungen um den Satz des französischen Wertverhältnissesdurch die Kosten des Transports nach dem Auslande ist also hinfällig.

Erschwerend kommt in Betracht, dafs unter der Herrschaft derfranzösischen Doppelwährung sich nicht nur das ungemünzte Metall vonder gesetzlichen Relation entfernte, sondern dafs in der ersten Hälftedes 19. Jahrhunderts auch das geprägte Goldgeld ein Agio auf seinenNennwert notierte. Das französische Doppelwährungsgesetz vermochtealso nicht einmal Schwankungen im Wertverhältnis zwischen denfranzösischen Gold- und Silbermünzen zu verhindern. Von einer Be-herrschung des Wertverhältnisses der ungeprägten Metalle kann erstrecht keine Rede sein.

An dieser Thatsache vermag auch der Umstand nichts zu ändern,dafs sich die Schwankungen des Wertverhältnisses innerhalb verhältnis-mäfsig enger Grenzen hielten. So gut eine Prämie von 6 1 /2 Prozentauf Goldbarren und ein Aufgeld von 12 Prozent auf goldne Zwanzig-frankenstücke entstehen konnte, so gut eine Prämie von 3 4 /s Prozentauf Silber entstehen konnte, eben so gut hätte die Abweichung vondem gesetzlichen Wertverhältnis, wenn sich die mafsgebenden Faktorenweiter zu Ungunsten des einen oder andern Metalls verändert hätten,beträchtlich gröfser werden können.

Wenn bimetallistische Schriftsteller mit Vorliebe darauf hinweisen,dafs die Abweichungen von der gesetzlichen französischen Relation inkeinem Verhältnis zu der aufserordentlichen Umwälzung der Verhält-nisse der Edelmetallproduktion, wie sie durch die Goldfunde der 50 erJahre hervorgerufen worden ist, gestanden hätten, so ist zuzugeben,dafs die Wirksamkeit der französischen Doppelwährung thatsächlichden Einflufs dieser Umwälzung auf das Wertverhältnis beträchtlichabgeschwächt hat. Aber diese Wirkung war an ganz bestimmte Vor-bedingungen geknüpft, die bereits oben bei der Darstellung der Ge-schichte der französischen Doppelwährung präcisiert wurden. DieseVorbedingungen waren, dafs der französische Münzumlauf, als die enormeSteigerung der Goldproduktion und der Silbernachfrage für Indien ein-trat, ganz mit Silber gesättigt war; dafs ferner der Übergang von einemSilber- zu einem Goldumlaufe den Bedürfnissen des Verkehrs entsprach.