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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
234
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234 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geid in der Wirtschaftsordnung'.

Zweigen ohne Rücksicht auf den Bedarf der an ihr beteiligten In-dividuen zu organisieren; und dabei war die durch das Geld bewirkteLösung der Produktion vom individuellen Bedarf die erste Voraus-setzung für die durch die Trangsportmittel bewirkte Lösung der Pro-duktion vom Orte des Konsums.

Die Befreiung der Produktion durch das Geld tritt nach zweiRichtungen hin zu Tage: Einmal können die produzierenden Individuenund Unternehmungen innerhalb des Gesamtbedarfs der Wirtschafts-gemeinschaft ihre besonderen Kräfte und Fähigkeiten in besonderenProduktionszweigen ausnutzen, ohne durch die Rücksicht auf die Artihres eignen Güterbedarfs oder des Güterbedarfs einer bestimmten undbeschränkten Gruppe von Individuen gebunden zu sein; jeder, derirgend eine Specialität auf den Markt bringt, hat, sofern er mit seinemAngebot nur innerhalb des Gesammtbedarfs bleibt, durch das Gelddie Sicherheit, seinen individuellen Bedürfnissen genügen zu können;jeder kann infolgedessen seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf diemöglichste Vervollkommnung seiner eignen Specialproduktion lenken,ohne sich durch die Frage der Deckung der eignen individuellen Be-dürfnisse ablenken zu lassen. Selbst für Zwischenprodukte, die keinemKonsumbedarf unmittelbar genügen können, ist die Möglichkeit desAbsatzes gegen Geld, mit dem jederzeit die notwendigen Bedarfsartikelbeschafft werden können, gegeben; dadurch wird es dem Einzelnenmöglich gemacht, sich einer Teiloperation innerhalb des Prozesses derProduktion einer einzelnen Ware zu widmen. Gerade dadurch, dafsvermittelst des Geldes das Individuum aus jedem Zwischenstadium derProduktion heraus sofort zu seinem Endzweck, der eignen Bedarfs-befriedigung, gelangen kann, wird die im Produktionsinteresse gelegeneZerspaltung des Produktionsprozesses in einzelne Stadien und die Ver-teilung der einzelnen Stadien auf verschiedene selbständige Unter-nehmungen möglich.

Wie die Specialisierung der Produktion, so wird durch das Geldzweitens die Organisation der Produktion in der auf Privateigentum undSelbstbestimmungsrecht der Individuen begründeten Wirtschaftsordnungmöglich gemacht. Das Geld allein gestattet, Kapitalien und mensch-liche Arbeitskräfte zu einem einheitlichen Produktionswerke, dessenResultat an sich keine Repartierung zuläfst, zusammenzufassen. Da-durch dafs die an sich unteilbaren Erzeugnisse kombinierter Kapitalienund Arbeitskräfte gegen Geld, das die exakteste Zerlegung in kleineund grofse Wertbruchteile zuläfst, veräufsert werden, wird es möglich.Kapitalien und Arbeitskräfte entsprechend ihrer Mitwirkung an demgemeinsamen Produktionswerke zu entlohnen; und erst durch dieseMöglichkeit ist der Boden geschaffen für das wirksame Organ derGütererzeugung, das wir alsUnternehmung" bezeichnen.