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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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3. Kapitel. Die Emzelfunktioneii des Geldes. § 2.

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Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung beruhen mithin in ihrerAusbreitung und Verfeinerung wesentlich auf der Voraussetzung desGeldes in seiner Eigenschaft als Tauschmittel. Das Geld ermöglichtauf diese "Weise eine Zusammenfassung aller Kräfte zu den Zweckender Gesamtheit, wie sie sonst nur auf Grund der stärksten Herrschafts-verhältnisse möglich wäre. Freilich ist die durch den freien Austausch,wie ihn das Geld ermöglicht, gegebene individuelle Freiheit nichtsAveniger als eine absolute Unabhängigkeit: jeder Einzelne ist, je weiterdie Arbeitsteilung fortschreitet, um so mehr abhängig von den andern,an die er verkaufen und von denen er kaufen mufs, um leben zukönnen; aber je mehr die Geld Wirtschaft fortschreitet, je mehr alleWaren gegen Geld verkauft und gekauft werden, desto weniger istder Einzelne von bestimmten andern abhängig; seine Abhängigkeitbezieht sich vielmehr auf eine unbestimmte und unpersönliche Gesamt-heit, auf denMarkt"; diese Gesamtheit gebietet ihm nicht mit derstrikten Schärfe eines persönlichen Willens, was er thun und nichtthun soll; sie leitet ihn vielmehr, indem sie ihm anheim giebt, Er-wägungen über den eignen Vorteil anzustellen und danach seine Ent-schlüsse zu treffen; und das wird als Freiheit empfunden. Ander-seits ist die nicht als Unfreiheit empfundene Abhängigkeit des Einzelnenvon gröfseren Gesamtheiten das wichtigste Prinzip, auf dem die ge-sellschaftliche Kultur beruht.

Der Gebrauch eines Tauschmittels mufs, nachdem er infolge seinereinleuchtenden Vorzüge sich in der Gewohnheit eingebürgert hat, aussich selbst heraus eine Erweiterung und Steigerung bis zu dem Punkteerfahren, dafs nicht mehr lediglich der durch die Erkenntnis desökonomischen Vorteils bestimmte freie Wille die Benutzung des Tausch-mittels herbeiführt, sondern dafs die Benutzung des Tauschmittels fürdie einzelnen Glieder einer arbeitsteilig organisierten Volkswirtschaftin der Regel eine Notwendigkeit ist. Die Benutzung bestimmter Güterals Tauschmittel steigert den Begehr nach diesen Gütern und damit ihreAbsatzfähigkeit weit über die durch den gewöhnlichen Konsumbedarfgegebenen Grenzen hinaus. Weil jedermann sicher ist, gegen das all-gemeine Tauschmittel leichter und vorteilhafter alle andern Verkehrs-objekte erwerben zu können, deswegen will bald jedermann seineErzeugnisse u. s. w. nur noch gegen das allgemeine Tauschmittel hin-geben, und damit ist für jeden, der von andern irgendwelche Gütereintauschen will, der Zwang geschaffen, sich zunächst mit Geld zuversehen, d. h. seine eignen Erzeugnisse u. s. w. regelmäfsig nur nochgegen Geld abzugeben. In unsrer modernen Volkswirtschaft ist dieseEntwicklung soweit abgeschlossen, dafs alle Verkehrsobjekte, die aufden Markt kommen, in der Regel nur gegen Geld veräufsert undgegen Geld erstanden werden. Als allgemeines Tauschmittel ist das