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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
256
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256 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

allen andern Mafsen wesentlich unterscheidet, ist die Thatsache, dafsder Wert des Geldes selbst, mit dem gemessen wird, keine unbedingtfeststehende und sich gleichbleibende Gröfse ist, wie die Einheitenunsres Mafs- und Gewichtssystems. Während das Meter, das Kilogrammu. s. w. genau bestimmte und unveränderliche Einheiten darstellen,unterliegt der Wert des Geldes im Laufe der Zeit und von Ort zuOrt ebensolchen Veränderungen, wie der Wert aller übrigen Verkehrs-objekte. Das einzige, was auf dem Gebiete des Verkehrswertes objektivfeststeht, sind, wie immer wiederholt werden mufs, die Austausch-verhältnisse, in welchen die einzelnen Verkehrsobjekte gegeneinanderumgesetzt werden. Nur aus diesen Austauschverhältnissen könnenwir einen in dem einzelnen Gute enthaltenen Verkehrswert abstrahieren,und dieser Verkehrswert findet sein Mafs jeweils nur an demjenigenGut, gegen welches er ausgetauscht wird. Örtliche Verschiedenheitenund zeitliche Veränderungen des Verkehrswertes eines Gutes tretendeshalb nur darin objektiv in Erscheinung, dafs das thatsäcliliche Ver-hältnis, in welchem das eine Gut gegen ein andres ausgetauscht wird,nach Ort und Zeit verschieden ist. Konstatierbar ist also zunächstnur eine Verschiedenheit oder Verschiebung im Wertverhältnis zwischenzwei Gütern, nicht aber eine Verschiedenheit oder Verschiebung imWerte eines Gutes. Wenn man schon aus der Thatsache , dafs im Tauschein Wertverhältnis zwischen zwei Verkehrsobjekten realisiert wird,zu der Abstraktion kommt, dafs jedes der ausgetauschten Objekte einbestimmtes Quantum vom Verkehrswert enthalte, das aber der fort-gesetzten Veränderung durch alle im Verkehr wirksamen, niemals imstabilen Gleichgewicht befindlichen, sondern stets vibrierenden Kräfteunterliegt, so bleibt bei einer Verschiebung des Austauschverhältnisseszwischen zwei Verkehrsobjekten die Frage stets eine offene, ob und inwelchem Mafse das eine oder das andere oder beide Verkehrsobjekteihren Wert verändert haben. Wenn in einer naturalen Tauschwirtschaftan einem gegebenen Orte und zu einer gegebenen Zeit 1 Bind gegen8 Schafe ausgetauscht wird, an einem andern Orte und zu einer andernZeit dagegen 1 Kind gegen 6 Schafe, so ist einleuchtend, dafs nicht ohneweiteres gesagt werden kann, ob der Wert des Rindes für sich ge-nommen kleiner geworden, oder ob der Wert des Schafes für sichgenommen gröfser geworden ist. Höchstens indirekt durch eine Be-trachtung der die Austauschverhältnisse der Güter beeinflussendenFaktoren, wie der Gröfse und Intensität des Angebots und der Nach-frage, eventuell auch durch Beobachtungen darüber, wie sich die Aus-tauschverhältnisse eines jeden der beiden Verkehrsobjekte zu andernVerkehrsgütern gestaltet haben, wird man zu Schlufsfolgerungen darüberkommen können, auf der Seite welches der beiden TauschobjekteUrsachen vorhanden sind, welche die Veränderung des Austausch-