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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
257
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Verhältnisses zu erklären geeignet sind; aber auch solche Schlufsfolge-rungen können bei der Unmefsbarkeit der in Betracht kommenden Ur-sachen und des Grades ihrer Einwirkung auf das Austauschverhältnisimmer nur ganz vager Natur sein.

Dasselbe, was für den naturalen Austausch gilt, trifft auch fürden Austausch der Verkehrsobjekte gegen Geld zu. Wenn der Geld-preis einer Ware oder eines gröfseren Komplexes von Gütern an ver-schiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten von einander abweicht,so bleibt auch hier die Frage offen, ob und wie weit der Grund desUnterschiedes auf Seite der Ware oder auf Seite des Geldes liegt. Wirwerden uns später noch ausführlich damit zu beschäftigen haben, wiedas Geld ebenso wie alle übrigen Verkehrsobjekte, die gegen Geldumgesetzt werden Gegenstand eines nach Gröfse und Intensitätwechselnden Bedarfs und eines teils auf elementaren Verhältnissen(Produktionsverhältnisse der Edelmetalle), teils auf wirtschaftlichenEntwicklungen (Kreditzahlungsmittel), teils auf bewufsten Handlungender Staatsregierungen (Ausgabe von Staatspapiergeld) beruhenden, nachGröfse und Intensität wechselnden Angebots ist. Die populäre An-nahme und die allen kaufmännischen Berechnungen zu Grunde liegendeVoraussetzung, sowie die juristische Fiktion der Wertbeständigkeit desGeldes, die sich darin äufsert, dafs alle Veränderungen der Geldpreiseirgend welcher Verkehrsobjekte lediglich als Veränderungen des Wertesdieser Verkehrsobjekte aufgefafst und behandelt werden, erklärt sichnicht nur aus einem zwingenden praktischen Bedürfnis, sondern vorallem auch aus der centralen Stellung des Geldes in der Welt desVerkehrs. Dadurch, dafs alle übrigen Verkehrsobjekte regelmäfsig nurgegen das eine ObjektGeld" umgesetzt werden und ihr Wert mithinstets nur in dem einen ObjektGeld" ausgedrückt wird, während dasGeld gegen alle umgesetzt wird und den Wert aller ausdrückt, erscheintdas Geld als der feste Pol in der Bewegung der Verkehrswerte. DieBewegungen der Warenwerte werden vom Geld aus gesehen, dessenWert selbst ein veränderlicher ist, ebenso wie wir die Bewegungender Gestirne so sehen, wie sie sich auf die sich selbst bewegende Erdeprojizieren.

Man kann diesen zweiten wichtigen Unterschied der Messung derWerte durch das Geld gegenüber allen andern Messungen kurz daraufzurückführen, dafs bei den letzteren sowohl die zu messende Gröfseals auch die messende Gröfse jede für sich objektiv feststeht so dieFläche eines Grundstücks und das Quadratmeter, der Ballen Baumwolleund das Gewichtstück, und dafs die Aufgabe der Messung in derErmittlung der Relation zwischen der zu messenden und der messendenGröfse besteht; während in Bezug auf den Verkehrswert die objektivgegebene und feststehende Thatsache die Relation zweier Werte ist,

Helfperich, Das Geld. 17

3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § 5.