258 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
aus welcher unmittelbar die absolute Gröfse eines jeden der beidenWerte nicht entnommen werden kann, sodafs auch eine örtliche Ab-weichung oder zeitliche Verschiebung der Relation kein unmittelbaresUrteil darüber gestattet, ob und wie weit die Ursache der Abweichungauf der einen oder andern Seite des Wertverhältnisses liegt.
Beeinträchtigt wird durch die Möglichkeit einer örtlichen undzeitlichen Verschiedenheit des Geldwertes die Vergleichung der in Geldausgedrückten Werte von Ort zu Ort und für verschiedene Zeiten. Selbstdie populäre Vergleichung örtlich und zeitlich verschiedener Verhält-nisse pflegt fyei auffallenden Unterschieden die Beobachtung zu machen,dafs das Geld hier oder dort einen gröfseren oder geringeren Wert hat,oder dals das Geld zu dieser oder jener Zeit einen andern Wert hatte;umgekehrt ausgedrückt: das Leben ist dort oder war damals billigeroder teurer. — Keineswegs beeinträchtigt wird jedoch durch die Mög-lichkeit von Geldwertschwankungen die Vergleichbarkeit der unterden nämlichen örtlichen und zeitlichen Verhältnissen in Geld ausge-drückten Werte; an demselben Orte und zu derselben Zeit ermöglicht dieAbschätzung in Geld eine zutreffende Vergleichung des Vermögensverschiedener Personen und der Verkehrswerte der Güter; es gestatteteine exakte Berechnung der Zugänge und Ausgaben der Wirtschaftund damit des Reinertrags oder Verlustes.
Die grofse praktische Wichtigkeit der Wertmesseifunktion desGeldes hat dazu geführt, dafs sie meist der Tauschmittelfunktionkoordiniert zur Seite gestellt worden ist; von manchen, namentlichauch von Juristen, ist die Funktion des Geldes als Wertmesser als dieeigentliche begriffswesentliche Funktion des Geldes angesehen worden.Eine nähere Betrachtung ergiebt jedoch, dafs wir es bei der Wert-messerfunktion mit einer Verrichtung des Geldes zu thun haben, diesich aus der Funktion als allgemeines Tauschmittel und allgemeinesZahlungsmittel als eine Konsekutivfunktion ableiten läfst. Es wurdebereits bei der Darstellung des Wesens der Wertmafsfunktion wieder-holt darauf hingewiesen, dafs das Geld deshalb zum allgemeinen Wert-mafs geworden ist, weil bei der fortschreitenden Verdrängung derNaturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft alle übrigen Verkehrsgütermehr und mehr nur noch gegen Geld umgesetzt wurden, sodafs sieschliefslich nur noch am Gelde ihren regelmäfsigen Gegenwert unddamit ihren regelmäfsigen Wertausdruck fanden. Das allgemeine Tausch-mittel mufste so ganz von selbst zum allgemeinen Wertmafs werden,in dem Sinne, in welchem nach der obigen Ausführung überhaupt voneinem Wertmafs gesprochen werden kann.
Eine ähnliche wechselseitige Bedingtheit, wie wir sie zwischenden Funktionen des Geldes als Tauschmittel und als Zahlungsmittel