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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
268
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268 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

auf den engen Kreis von Leuten beschränkt sei, die ihm Geld alsGegenwert geben können, während der Absatz an alle, die zwar keinGeld, aber Waren als Gegenwert zu bieten in der Lage seien, ver-schlossen sei. Bei dieser Argumentation wird zunächst aufser Achtgelassen, dafs auch in der Geldwirtschaft in allen denjenigen Fällen,in welchen ein direkter Austausch den wirtschaftlichen Zwecken derbeiden Teile entspricht, ein solcher Austauscli keineswegs ausgeschlossenist; ein solcher direkter Austausch findet in kleinen Verhältnissen inder That auch heute noch in gewissem Umfange statt, freilich meistunter der äufseren Form des Geldverkehrs: wenn z. B. ein Fleischerund ein Bäcker ihren Bedarf an Brot und Fleisch von einander be-ziehen, dann wird in der Regel jeder das, was er dem andern zuzahlen hat, auf den Geldbetrag, den er von ihm zu empfangen hat,verrechnen. Aber die Bedeutung des Geldes lag ja von Anfang andarin, dafs ein solcher direkter Austausch nur in seltenen Fällenmöglich ist. Kein Produzent verbessert seine Position, wenn er seineErzeugnisse, auf deren Absatz er angewiesen ist, an einen andern ab-läfst, der ihm weder Geld noch solche Waren, für die er unmittelbarVerwendung hat, sondern nur Dinge, die er nicht brauchen kann, dieer vielmehr selbst erst wieder gegen andre Dinge austauschen müfste,als Gegenleistung zu geben vermag. Man hat geglaubt, diese Schwierig-keit des direkten Austausches unter Umgehung des Geldes durch eineKonzentration der Tauschgeschäfte in einem einheitlichen Institut, ineinerTauschcentrale", einerTauschbank" oderWarenbank" über-winden zu können. Die Einrichtung eines solchen Instituts wird sogedacht, dafs jeder Einzelne seine Erzeugnisse an dieses Institut zujeder Zeit soll abliefern können, nicht gegen Geld, sondern gegen eineAnweisung auf die von andern einzuliefernden Güter, die er benötigt.Die kleinen Versuche, die mit solchen Tauschbanken gemacht wordensind, haben nach kürzerer oder längerer Zeit Schilfbruch gelitten. Siemufsten scheitern, Aveil der ganze Gedanke an einer innern Unmöglich-keit krankt. Wenn eine Tauschbank in unbeschränktem Mafse Er-zeugnisse irgendwelcher Art annimmt, dann kann sie nicht den Ein-lieferern schrankenlos Anweisungen auf die Dinge erteilen, die vondiesen benötigt werden, ohne gleichzeitig die Macht zu haben,die gesamte Produktion nach dem Bedarfe zu regulieren; sie wirdgrofse Mengen von Dingen erhalten, die von niemandem gefragt werden,und es werden von ihr gegen die eingelieferten Gegenstände An-weisungen auf Dinge verlangt werden, die sie nicht oder nicht in dementsprechenden Umfange erhält. Konsequent durchgedacht würde einesolche Tauschbank, die das Geld ersetzen soll, ihre Anweisungen nichtnur gegen Sachgüter, sondern auch gegen alle die Arbeitsleistungen,die heute mit Geld entlohnt werden, verabfolgen müssen, und sie würde