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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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7.- Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes. § 3.

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§ 3: Die Voraussetzungen für den vorwiegenden Gebrauchder verschiedenen Geldstoffe.

Innerhalb des soeben gezeichneten allgemeinen Rahmens differen-zieren sich nun die das Geld betreffenden Verkehrsbedürfnisse je nachder besonderen Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse. Die einzelnenMetalle, die geschichtlich als Geldstoffe eine Rolle' spielten und heutenoch Geldstoffe sind, waren nicht zu allen Zeiten und sind heute nochnicht in allen Ländern in gleicher Weise geeignet, als Geldstoff zudienen. Kupfer, Silber und Gold, die Metalle, die hier fast ausschliefs-licli in Betracht kommen, haben zu verschiedenen Zeiten nacheinandernnd in verschiedenen Ländern nebeneinander als Geldstoff die Vorherr-schaft gehabt. Die Erkenntnis, dafs dem zeitlichen Wechsel und derörtlichen Verschiedenheit der Verwendung der einzelnen Metalle zuGeldzwecken tiefere Ursachen zu Grunde liegen, ist alt; und dieflüchtige Beobachtung der historischen .Entwicklung legt es nahe, mitLord Liverpool auf eine allgemeine Entwicklungstendenz zu schliefsen,nach welcher die Völker bei steigender wirtschaftlicher Kultur vonweniger kostbaren zu wertvolleren Geldstoffen übergehen, so dafs alsobei dem metallischen Gelde bei fortschreitender wirtschaftlicher Ent-wicklung das Kupfer und die andern unedlen Metalle, wie Zinn undEisen, durch das Silber, das Silber durch das Gold aus der vorherr-schenden Stellung verdrängt würde.

Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dafs sich die wechselndeVerwendung der Metalle zu Geldzwecken nicht auf eine so einfache Formelzurückführen läfst. Darauf weist schon die Tliatsache hin, dafs dieersten geprägten Münzen Goldmünzen waren, und dafs auch bei denneueren Völkern der Gebrauch von Kupfergeld sich erst für spätereZeiten nachweisen läfst als der Gebrauch von Silber- und Goldgeld.

Es läfst sich allerdings eine allgemeine Beziehung aufstellenzwischen der Gröfse der bei einem gegebenen Stande der Volkswirt-schaft durch Geld zu vermittelnden Umsätze sowie der räumlichenAusdehnung der durch Geld zu vermittelnden Beziehungen einerseitsund dem spezifischen Wert des als Geld benutzten Stoffes andrerseits.Wo einige Silbermünzen genügen, um den Unterhalt einer Familie fürlängere Zeit zu bestreiten, wo der tägliche Lohn eines Arbeiters sichauf wenige Kupferpfennige beläuft 1 ), da kann im allgemeinen dasGold keinen allzubreiten Kaum in dem Geldumlauf einnehmen. Woumgekehrt die durch Geld zu vermittelnden Umsätze und Zahlungenso grofse Quantitäten von Silbermünzen erfordern, dafs deren Transportund Übertragung lästig wird, da ist der Boden für einen überwiegenden

1) In einigen Binnenbezirken von Deutseh-Ostafrika beträgt der Tagelohn heutenoch 12 Knpferpesa (1 Pesa = ca. 2,2 Pfennig).