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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. II. § 1.

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zahl verschieden grofse Werte vorstellender Geldsorten. Diesen Auf-bau, dessen einzelne Momente bisher gelegentlich in den Kreis unsererErörterungen einbezogen werden mufsten, haben wir nunmehr inseinem Zusammenhange zu betrachten.

In allen konkreten Verhältnissen handelt es sich stets um Geldin gewissen Summen, in gewissen Quantitäten, nicht um Geld schlecht-hin. Wie alle anderen Quantitätsbegriffe, wie Länge, Mafs und Gewicht,läfst sich auch eine Geldsumme nur durch das Vielfache oder durcheinen Bruchteil einer feststehenden Einheit ausdrücken. Wie in unseremMafssystem eine bestimmte Länge, das Meter, als Einheit fungiert, inwelcher alle Längenverhältnisse ausgedrückt werden, wie im Gewichts-system ein bestimmtes Gewichtsquantum, das Gramm, die Einheit ist,an welcher alle Gewichtsgröfsen gemessen werden, so mufs beim Geldein bestimmtes Geldquantum als Einheit dienen, in der alle Geldsummensich ausdrücken lassen. Diese Einheit, auf welcher sich das Geldsystemebenso aufbaut, wie unser Mafs und Gewichtssystem auf dem Meterund dem Gramm, heifst Rechnungseinheit oder Geldeinheit.

Die Rechnungseinheit hat in den verschiedenen Geldsystemen ver-schiedene Namen und stellt verschiedene Wertgröfsen dar. Sie istz. B. im deutschen Geldsystem dieMark", im französischen, belgischenund schweizerischen derFrank", im italienischen dieLira", imholländischen derGulden", im russischen derRubel ", im österreich-ischen dieKrone", im englischen dasPfund Sterling ", im ameri-kanischen derDollar" u. s. w.

Wie aus der Längeneinheit, Mafseinheit und Gewichtseinheit Unter-und Überabteilungen gebildet werden (Centimeter und Kilometer, Deka-liter und Hektoliter, Milligramm und Kilogramm u. s. w.), so auch ausden Rechnungseinheiten der Geldsysteme. Der Zahlenaufbau der Ein-teilung ist in den einzelnen Geldsystemen verschieden. Wie im Mals-und Gewichtssystem hat jedoch auch hier in der neueren Zeit diedecimale Einteilung die gröfste Ausdehnung erfahren. Die Mark wirdin hundert Pfennige geteilt, der Frank in hundert Centimes, der Guldenin hundert Cents, die österreichisch-ungarische Krone in hundert Heller,der Rubel in hundert Kopeken, der Dollar in hundert Cents. Dagegenzerfiel der preufsische Thaler in 30 Silbgergroschen, der Silbergroschenin 12 Pfennige, der süddeutsche Gulden in 60 Kreuzer; das englischePfund Sterling wird eingeteilt in 20 Schillinge, der Schilling in 12Pence.Die Vorzüge des Decimalsystems bestehen in einer aufserordentlichenErleichterung des Rechnens und mithin, da das Rechnen eine derwichtigsten Operationen bei dem Gebrauch des Geldes ist, in eineraufserordentlichen Erleichterung des Geldgebrauchs überhaupt. DieAnlehnung des früheren Rechensystems an die Zahlen, welche nament-lich bei der Einteilung der Zeit (12 Jahresmonate, 30 Tage im Monat,

Helfferich, Das Geld. 24