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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. II. § 6.

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dort angesammelt, da die Reichsbank einerseits Silbermünzen bis zujedem Betrage in Zahlung- nimmt, während sie andrerseits niemandemSilbermünzen aufzwingt, sodafs also der Verkehr in der Lage ist,alles nicht benötigte Silber an die Reichsbank abzustofsen. Die Reichs-bank hatte in den letzten Jahren einen durchschnittlichen Bestand anThalern und Scheidemünzen von etwa 250 Millionen Mark, von denensie etwa 120 Millionen Mark als Betriebsfonds für die örtliche Re-gulierung des Münzumlaufs 1 ) nötig hat. Überflüssig sind mithinvon den etwa 870 Millionen des deutschen Silbergeldes nur etwa130 Millionen des in der Reichsbank liegenden Bestandes.

Aus dem Verkehr heraus wäre also in kritischen Zeiten ein be-drohliches Rückströmen von Silber nicht zu befürchten. Dagegen istzuzugeben, dafs bei der gegenwärtigen Sachlage die Reichsbank miteinem Silberbestande belastet ist, den sie, solange sie im Interesse derdeutschen Valuta darauf hält, ihren Verbindlichkeiten auf Verlangenin Goldgeld nachzukommen, nicht gebrauchen kann. Die Bardeckungder Reichsbank wird durch den Silberballast verschlechtert, und dieBank mufs deshalb in Zeiten einer stärkeren Anspannung ihres Standesmit mehr Vorsicht, als sonst nötig wäre, über die Aufrechterhaltungeines genügenden Verhältnisses zwischen ihrem Goldbestande und ihrenVerbindlichkeiten wachen. Das überflüssige Silbergeld Deutschlands bedeutet mithin eine Schwächung der Position der Reichsbank, diezwar nicht gefährlich ist, sich aber doch mitunter für die Diskont-politik der Reichsbank fühlbar machen kann.

Dagegen sind die Befürchtungen, die Reichskank könne in kriti-schen Zeiten in die Lage kommen, ihre Noten infolge der Erschöpfungihres Goldvorrats in Silbergeld einlösen zu müssen, als durchaus gegen-standslos zurückzuweisen. Der Silberbestand der Reichsbank beträgtheute schon durchschnittlich nur etwa 250 Millionen Mark. Im Falleeines Krieges würde die Bank von diesem Bestände eiuen erheblichenTeil dem Reiche zur Auslohnung der Truppen u. s. w. zur Verfügungzu stellen haben. Der Notenumlauf der Reichsbank dagegen betrugin den letzten Jahren durchschnittlich etwa 1200 Millionen Markund hat im Laufe des letzten Jahres in einem Falle den Betrag von1500 Millionen Mark erreicht; er würde im Kriegsfalle beträchtlichanschwellen. Die Noten müssen nach den Bestimmungen des Bank-gesetzes zu einem Drittel durch Metall und Reichskassenscheine ge-deckt sein. Bei einem Notenumlauf von 1500 Millionen Mark würdedie Dritteldeckung 500 Millionen Mark betragen; unter diesen Standkönnte der Barvorrat der Reichsbank nicht heruntergehen, ohne dafsdie Suspendierung der Barzahlungen erfolgen miifste. Da mit einem

1) Vergl. § 8 dieses Kapitels.