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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. II. § 6.

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Silbergeld im Auslande genügend diskreditiert und nachdem seineUnter Wertigkeit für jedermann klar gemacht war, konnte es die italie-nische Regierung wagen, wieder Silber in den Verkehr zu bringen unddagegen die häfslichen und unappetitlichen kleinen Scheine einzuziehen.

Es ergiebt sich daraus, dafs die Unterwertigkeit des Silbergeldesgerade für den Fall einer Erschütterung der WährungsVerhältnisse,die bei dem heutigen Stande des Geldwesens nur von den papiernen Um-laufsmitteln ausgehen kann, eine gewisse Sicherheit gegen Störungen giebt,durch die der mittlere und kleine Verkehr am meisten bedroht ist.

Auch wenn man die mit der Unterwertigkeit des Silbergeldesverbundenen Bedenken beträchtlich höher veranschlagt, als es hiergeschehen ist, bleibt die Frage, ob die Mittel zur Abhilfe im Ver-hältnis zu den Gefahren stehen.

Ein radikales Mittel zur Abhilfe wäre die völlige Änderungunsrer Geldverfassung, der Übergang von der Goldwährung zu einembimetallistischen System. Dieses Mittel kann an dieser Stelle, da dieDurchführbarkeit und die Folgen eines solchen Systems noch nichterörtert sind, nicht diskutiert werden.

Auf dem Boden der bestehenden Goldwährung bewegen sich dieVorschläge, die umlaufenden Silbermünzen einzuziehen und sie durchneue, mit einem der SilberentAvertung entsprechenden stärkeren Silber-gehalte auszustattende Münzen zu ersetzen. Sogar wenn es gelänge,durch die infolge einer solchen Mafsregel gesteigerte Silbernachfrageden Silberpreis von 6'2 Mark pro kg auf etwa 90 Mark, die Hälftedes alten Silberpreises zu erhöhen, dann wäre, um unsern Silberumlaufvollwertig zu machen, eine Ausgabe von 430 bis 440 Millionen Markerforderlich. Ganz offensichtlich stände ein solcher Aufwand in keinemVerhältnis zu der Gefahr der echten Nachprägung; und wenn manwegen der Unterwertigkeit der Silbermünzen von einem KriegsfalleGefahren für unsre Währung befürchtet, so kann doch wohl keinZweifel bestehen, dafs die 430440 Millionen Mark in wirksamererWeise zur Sicherung unsrer Währung verwendet werden könnten;jedes Panzerschiff und jedes Bataillon würde in solchen Zeiten bessreDienste tliun, als die Umprägung der Silbermünzen.

Zu diesen Erwägungen kommt hinzu, dafs nach geschehener Um-prägung jeder neue Rückgang des Silberpreises abermals ein unter-wertiges Silbergeld schaffen würde. Ferner würden die neuen Silber-münzen ein aufserordentlich unhandliches Geld sein. Ein Zweimark-stückwäre, wenn der Ausmünzung ein Preis von 80 Mark pro Kilogrammzu Grunde gelegt wurde, ebenso grofs, wie unser heutiges Fünfmark-stück, und wer zehn Mark in Silber bei sich führen wollte, müfsteinfolgedessen das Gewicht von fünf heutigen Fünfmarkstücken mitsich herumtragen.