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Das Geld / von Karl Helfferich
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung'.

§ 3. Die ausländischen Wechselkurse bei gleichen metallischen

Währungen.

Auch bei den gebundenen Währungen bedeutet die Parität nichtetwa genau das Wertverhältnis, in welchem der Geldwert zweierLänder in jedem Augenblicke zu einander steht, sondern nur den durchden Metallgebalt der frei ausprägbaren Münzen gegebenen Gleichungs-punkt, um welchen sich das Verhältnis der beiden Valuten innerhalbeines bestimmten und eng begrenzten Spielraums bewegt. Das Ver-hältnis zweier Valuten findet jeweilig seinen Ausdruck in den beider-seitigen Wechselkursen, das Verhältnis zwischen der deutschen undenglischen Valuta in dem Kurs des Wechsels auf London in Berlin oder im Kurs des Wechsels auf Berlin in London , und diese Wechsel-kurse stehen selten genau auf der Parität, während sie sich andrer-seits nur innerhalb der engsten Grenzen von der Parität entfernen.

Ehe wir auf die Ursachen und Grenzen der Wechselkursschwan-kungen eingehen, sei die Bedeutung des Wechsels im internationalenZahlungsverkehr kurz beleuchtet.

Der Wechsel wird im internationalen Verkehr als Mittel zurAusgleichung von Zahlungen und zur Ersparung von Bargeldsendungenaus einem Lande in das andere benutzt. Folgendes Beispiel mag zurErläuterung dienen. Eine deutsche chemische Fabrik hat Farbstoffenach England verkauft und hat den Gegenwert von dort zu empfangen;gleichzeitig hat eine deutsche Spinnerei in England Baumwolle ge-kauft und schuldet den Betrag dem englischen Händler. Um die Sen-dung von Metallgeld nach England , die Transport- und Versicherungs-kosten verursachen würde, zu vermeiden, läfst sich die deutsche Spinnereivon der chemischen Fabrik deren Forderung an den englischen Färberübertragen; das geschieht in der Form, dafs die Fabrik auf ihrenenglischen Abnehmer einen Wechsel zieht und diesen an die Spinnereiverkauft. Die deutsche Spinnerei bezahlt nun den englischen Baum-wollhändler mit diesem Wechsel, der Baumwollhändler präsentiert ihnseinem Landsmanne, dem Färber, zur Einlösung und macht sich aufdiese Weise in barem Gelde für seine Baumwolle bezahlt. Der Vorteilder Manipulation besteht darin, dafs an die Stelle zweier kostspieligerBargeldsendungen (von England nach Deutschland und umgekehrt)zwei inländische Barzahlungen, eine in Deutschland (vom Spinner andie chemische Fabrik) und eine in England (vom Färber an denBaumwollhändler) getreten sind. In der Regel vollzieht sich übrigensdie ganze Operation nicht auf dem der Einfachheit halber geschildertendirekten Wege, sondern durch die Vermittlung von Bankinstituten,welche Wechsel auf das Ausland ankaufen und verkaufen.

Solange sich die von zwei Ländern an einander zu leistendenZahlungen die Wage halten, kann ein vollständiger Ausgleich und eine