Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410

Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung-.

bei solchen Währungen möglich, welche nicht die Sicherheit bieten,dafs man jederzeit für jede beliebige G-eldsorte vollwertiges Geld zuseinem Nennwerte beschaffen kann. Es kommen hier vor allem diesogenannten hinkenden Währungen in Betracht. Wo nur Goldmünzenunbedingtes gesetzliches Zahlungsmittel sind, ist selbstverständlich dasGoldgeld jederzeit zu seinem Nennwerte beschaffbar. Wo aber, wiein Frankreich und formell auch in Deutschland , aufser den Goldmünzenauch unterwertige Silbermünzen, die nicht ohne enormen Verlust ein-geschmolzen und als Metall verkauft oder umgeprägt werden könnten,Courantmünzen sind, da besteht die Möglichkeit, dafs derjenige, derZahlungen ans Ausland zu leisten hat, wohl solche Silbermünzen zuihrem Nennwerte auftreiben kann, während er für Goldmünzen sichzur Zahlung eines Aufgeldes bequemen mufs. Da der Bedarf an Metall-geld behufs Begleichung internationaler Zahlungen in der Regel ausden grofsen Barbeständen der Centraibanken schöpft, spitzt "sich dieFrage praktisch darauf zu, ob bei einer hinkenden Goldwährung dieCentraibank auf Verlangen jederzeit anstandslos in Goldgeld zu seinemNennwerte zahlt, ob sie ihre Noten auf Verlangen in Goldgeld einlöst,ob sie Auszahlungen aus den bei ihr stehenden Giroguthaben u. s. w.auf Verlangen in Goldgeld zu seinem Nennwert bewirkt, ob sie Wechselauf Verlangen in Goldgeld diskontiert u. s. w., oder ob sie vonihrem Rechte der Zahlung in Silbergeld in der Weise Gebrauch macht,dafs sie sagt: ich bin berechtigt in Silbergeld zu zahlen; wenn Duauf Zahlung in Goldgeld Wert legst, so mufst Du Dir einen kleinenAbzug gefallen lassen, ich berechne für Goldzahlung eine Prämie. DiePolitik der unbedingten Goldzahlung ist jederzeit von der deutschenReichsbank befolgt worden; die Politik der Berechnung einer Gold-prämie wird zeitweise von der Bank von Frankreich gehandhabt.

Es ist hier nicht der Platz, in eine eingehende Würdigung dieserbeiden viel umstrittenen Systeme einzutreten; eine solche ist nurmöglich in Verbindung mit der Darstellung der Grundzüge der Diskont-politik, die dem zweiten Bande dieses Werkes vorbehalten bleibenmufs. Hier ist lediglich festzustellen, dafs, wo eine Prämie auf Golderhoben wird, diese Prämie als ein weiterer Zuschlag zu den Ver-sendungs- und Umwandlungskosten von Metallgeld hinzutritt, undzwar als Kosten der Beschaffung exportfähigen Metallgeldes. Der Spiel-raum der Wechselkursschwankungen erfährt dadurch eine Erweiterung.Das Verhalten der französischen Wechselkurse ist der praktische Beweisdafür; während die Versendungs- und Umwandlungskosten von Goldgeldzwischen Frankreich einerseits, England und Deutschland andrerseitshöchstens auf 0,4 oder 0,5 Proz. zu berechnen sind, haben sich dieWechselkurse zwischen Franki'eicli und den beiden genannten Ländernzeitweise um mehr als eilt volles Prozent von der Parität entfernt.