9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 4.
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Indem wir uns mit der Frage des Spielraumes der Wechselkurs-Schwankungen bei den Ländern mit gebundenen Währungen beschäf-tigten, mufsten gleichzeitig die Ursachen dieser Schwankungen an-gedeutet werden: die Veränderungen des Verhältnisses von Angebotund Nachfrage nach Zahlungsmitteln für das Ausland, das seinerseitsauf der „internationalen Zahlungsbilanz" beruht. Über dieBestimmungsgründe der Zahlungsbilanz, von deren Gestaltung die Ver-sorgung der einzelnen Volkswirtschaften mit Metallgeld im wesent-lichen abhängt, wird an andrer Stelle ausführlicher zu sprechen sein.
§ 4. Die Valutaschwankung'en im Verhältnis von Gold-und Silberwährungen und von freien Währungen.
In dem Verhältnis der auf derselben Währungsgrundlage be-ruhenden gebundenen Valuten können auch die stärksten Schwan-kungen der Zahlungsbilanz nur die geringfügigen durch die beidenGoldpunkte begrenzten Bewegungen hervorrufen, während das Wechsel-pari von allen diesen Schwankungen der Zahlungsbilanz gänzlich un-berührt bleibt.
Schon das Verhältnis von Gold- und Silbervaluten liegt um einekleine Schattierung anders. Hier ist die Parität keine feste, sie ver-ändert sich vielmehr mit dem Silberpreis; bei einem gegebenen Silber-preis aber können die Wechselkurse zwischen Gold- und Silbenvährungs-ländern von der aus dem Silberpreise zu berechnenden Parität gleichfallsnur innerhalb des engen Spielraums abweichen, der durch die Kostender Versendung und Ausprägung von Silberbarren einerseits, durchdie Kosten des Bezugs und der Einschmelzung von Silbermünzenund den Betrag der Abnutzung der Silbermünzen andrerseits gegebenist. Darin liegt die prinzipielle Ähnlichkeit des Verhältnisses mitdem zwischen Goldwährungen unter sich und Silberwährungen untersich bestehenden. Der Unterschied liegt jedoch darin, dafs die Zahlungs-bilanz zwischen Gold- und Silberwährungsländern stets einen gewissenEinflufs auf den Silberpreis und damit auf die Veränderungen derParität zwischen Gold- und Silbervaluten hat. Es hat sich im histo-rischen Teil dieses Buches oft genug Gelegenheit geboten, auf dengrofsen Einflufs hinzuweisen, den der Silberbedarf für Indien stets aufden Silberpreis ausgeübt hat, solange die indische Münzstätte demSilber offen stand. In der neuesten Zeit, nachdem die indische Zahlungs-bilanz ihren Einflufs auf die Gestaltung des Silberpreises verloren hatte,haben zwei Ereignisse den Einflufs der Zahlungsbilanz der Silber-wälirungsländer auf den Silberpreis deutlich gezeigt: der chinesisch-japanische Krieg, der das Silber von 25 d auf nahezu 32 d in dieHöhe gehen liefs, und später der Feldzug der vereinigten euro-