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Das Geld / von Karl Helfferich
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung-.

die Bewertung der Valuta auf dem Weltmarkte auch von den Er-wägungen ab, die sich auf die wirtschaftlichen, finanziellen und poli-tischen Aussichten des betreifenden Staatswesens beziehen. Insbesonderebei einem Papiergelde wird stets die Frage mitspielen, ob und wannund zu welchem Kurse eine Wiederaufnahme der Barzahlungen zu er-warten ist. Wirtschaftliche und politische Krisen und eine schlechteFinanzwirtschaft verschlechtern diese Aussichten und haben somit dieTendenz, die Valuta herabzudrücken, eine günstige wirtschaftliche,finanzielle und politische Entwicklung ist geeignet, die Valuta zu heben.

Die einschneidende Wirkung aller dieser Faktoren liefse sich ander Geschichte der Valuta eines jeden Landes mit freier Währungnachweisen. Es sei mir gestattet, in dieser Beziehung insbesondereauf meine Untersuchung über das Verhalten der russischen Papier-valuta während der 80 er Jahre des 19. Jahrh. hinzuweisen. 1 ) Es istdort vor allem die weitgehende Abhängigkeit des Berliner Rubel-kurses von den Schwankungen des russischen Getreideexports, deswichtigsten und beweglichsten Faktors in der russischen Zahlungs-bilanz, dargethan, während andrerseits einige charakteristische Unter-brechungen dieses Zusammenhangs auf die Einwirkung der politischenVerhältnisse zurückgehen.

§ 5. Die Idee der internationalen Münzeinheit.

Das Ergebnis unsrer Untersuchung über das gegenseitige Verhält-nis der einzelnen nationalen Währungen ist, dafs nur zwischen dengebundenen und auf dem gleichen Edelmetall beruhenden Währungeneine den Bedürfnissen des internationalen Verkehrs entsprechende, nurminimalen Schwankungen unterliegende Beziehung besteht, währendim gegenseitigen Verhältnis von Gold- und Silberwährungen sowie imVerhältnis von gebundenen und freien Währungen und zwischen freienWährungen unter einander die Möglichkeit von heftigen und im vorausnicht zu berechnenden Schwankungen gegeben ist. Aber auch die gering-fügigen Kursschwankungen zwischen den gleichen gebundenen Wäh-rungen, ferner die Unbequemlichkeiten, welche aus der Verschiedenheitder Geldeinheiten eines und desselben gebundenen Währungssystemsentstehen, die Beschränktheit der Gültigkeit des Geldes der einzelnenLänder auf ihr staatliches Territorium und die Notwendigkeit, im inter-nationalen Verkehr das Geld des einen Landes gegen das Geld desandern Landes umzusetzen, alle diese im Verhältnis zu den grofsenValutaschwankungen geringfügigen Unbequemlichkeiten sind schonfrühzeitig als ein Nachteil empfunden worden.

1) Aufsenhandel und Valutaschwankungen, zuerst in Schmollers JahrbuchBd. XXI, 2, dann in meinenStudien über Geld- und Bankwesen" veröffentlicht.