10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 1. 425
times, while goods are sold to tlie value of a million it is evidentthat the money required to circulate those goods is 100 000 £ u .Sismondi formuliert die Theorie folgendermafsen: „Die Summe derUmlaufsmittel im Staate mufs gleich sein der Summe der Zahlungen,die während einer gewissen Zeit geleistet werden, dividiert mit derAnzahl der Male, wie oft inzwischen jene ihre Eigentümer wechseln".
Auch in dieser Form ist die Theorie des Geldbedarfs nicht unan-gefochten geblieben. Zunächst wurde darauf aufmerksam gemacht —und das wurde auch von den klassischen Nationalökonomen der eng-lischen Schule als selbstverständlich angenommen —, dafs die Er-sparung des Gebrauchs von Bargeld durch Geldsurrogate und besondereauf Kredit beruhende Einrichtungen neben der Gesamtheit der Um-sätze und der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ein wesentlicherFaktor für die Gröfse des Geldbedarfes sei; je mehr Umsätze unterErsparung von Bargeld stattfinden, desto geringer der Geldbedarf.Bei der oben wiedergegebenen mathematischen Formel müfste mithinvon n (der Gesamtsumme der Umsätze) eine Zahl für die Summe derunter Ersparung des Geldgebrauchs vermittelten Umsätze in Abzuggebracht werden.
Andrerseits ist darauf hingewiesen worden, dafs die Yermittelungder Umsätze von Waren keineswegs die einzige Funktion des Geldessei, dafs vielmehr das Geld im Verkehr auch als Mittel von einseitigenWertübertragungen und als Vermittler des Kapitalverkehrs diene.Selbst wenn man zur Ermittelung des Geldbedarfs die in einem ge-wissen Zeiträume zu leistenden Zahlungen im weitesten Sinne zuGrunde lege, einerlei ob sie auf doppelseitigen Übertragungen beruhen,oder ob sie als einseitige Übertragungen erfolgen, — selbst dann bleibenoch ein weiterer Rest, da das Geld auch in seiner Funktion als Wert-bewahrer (Thesaurierungsmittel) Gegenstand eines bestimmten, nachdem ganzen Charakter der einzelnen Volkswirtschaften und der Einzel-wirtschaften verschiedenen Bedarfes sei. So schreibt Menger '):
„Auch diejenigen', welche den Geldbedarf einer Volkswirtschaftaus den innerhalb einer bestimmten Periode umzusetzenden Güter-mengen oder dem Betrag der innerhalb einer Periode (gleichzeitig!)zu leistenden Zahlungen einerseits und andrerseits aus der /Umlaufs-geschwindigkeit' des Geldes (aus der gröfseren oder geringerenZahl der Fälle, in welchen mit den nämlichen Geldstücken in der be-treffenden Periode Zahlungen zu leisten sind) zu berechnen suchen,verkennen die wahren Bestimmungsgründe des Geldbedarfs einer Volks-wirtschaft. Sie übersehen, dafs die Geldmenge, welche bei Zahlungenjeweilig zur Verwendung gelangt, nur einen Teil der einem Volke
1) Art. „Geld" im Handwörterbuch der Staatswissenschaften. 2. Aufl. Bd. IV.S. 104.