426 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
nötigen Barmittel bildet, ein andrer dagegen in der Form von Re-serven mancherlei Art für die Sicherstellung ungewisser, in vielenFällen thatsächlich überhaupt nicht stattfindender Zahlungen (im In-teresse der ungestörten Funktion der Volkswirtschaft!) bereit gehaltenwerden mufs. Die im Metallschatze der Zettelbanken, in den Kassendes Staates, der Sparkassen, der Depositenbanken, der Kreditinstitute,der Privatwirtschaften u. s. w. befindlichen, nur für einen ungewissenBedarf, für seltene und ungewöhnliche Gefahren, ja zum Teil nur füräufserste Fälle bereit gehaltenen Bestände von Barmitteln bilden, ob-zwar für Zahlungen regelmäfsig nicht in Anspruch genommen, dochebensowohl einen Teil des Geldbedarfs der Volkswirtschaft als derBedarf an Scheidemünzen, welche mehrmals im Tage aus einer Handin die andere übergehen. Auch die von den Einzelwirtschaften the-saurierten Geldsummen sind hierher zu rechnen. Der Geldbedarf derVolkswirtschaft findet ähnlich wie derjenige der einzelnen Privat-haushalte in den Zahlungen, welche innerhalb einer bestimmten Pe-riode zu leisten sind, entfernt nicht den richtigen Ausdruck."
Nach Menger vermag zu einer der realen Sachlage entsprechendenTheorie des Barmittelbedarfs einer Volkswirtschaft nur eine Unter-suchung zu führen, welche von dem Barmittelbedarf der Einzel- undder Geineinwirtschaften, aus denen sich die „Volkswirtschaft" zu-sammensetzt, ihren Ausgang nimmt. Im Stadium der Geldwirtschaftbedinge jede einzelne Aufwands- und Erwerbswirtschaft eine gewisseKassahaltung, deren Gröfse sich nach den Aufgaben und den verfüg-baren Mitteln der betreffenden Wirtschaft und ihrer Stellung in derVolkswirtschaft richte. Der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sei derInbegriff der durch die Einzel- und Gemeinwirtschaften eines Volkesbeanspruchten Geldbestände, in deren Gesamtheit er somit sein letztesMafs finde.
Noch weit radikaler hat Hildeband 1 ) die bezeichnete Theoriekritisiert. Er will' sie überhaupt nicht gelten lassen. Zunächst seies ein Fehler, den Bedarf an Geld mit dem Umsatz von Waren ineine direkte Verbindung zu bringen, denn zum Kaufen, das ein blofsesEingehen einer Zahlungsverbindlichkeit sei, brauche man überhauptkein Geld in irgendwelcher bestimmter Menge, sondern nur zur Er-füllung von Zahlungsverbindlichkeiten, die keineswegs mit dem Kaufenzusammenzufallen brauche. Nur als Zahlmittel, nicht auch schon alsUmsatzmittel sei mithin das Geld Gegenstand eines bestimmten Bedarfs,und der Bedarf an Geld könne deshalb immer nur durch die Summeder fällig gewordenen Zahlungsverbindlichkeiten, niemals aber schondurch die Summe der zu bewerkstelligenden Umsätze bestimmt werden.
1) Die Theorie des Geldes. Jena 18S3. S. 33 ff.