440 Zweites Bucli. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
bestimmten Zeitraums zu leistenden Zahlungen sowie die Verteilungder Zahlungseingänge und Zahlungsleistungen auf die Zeit und aufdie Einzelwirtschaften innerhalb der Volkswirtschaft;
2. die Intensität der Ausnutzung des Geldes, beruhend auf derEntwicklung des Leihverkehrs in Geld und auf der Ausbildung vonZahlungsmethoden und Zahlungseinrichtungen, die sich auf ruhendenGeldvorräten aufbauen;
3. die Vermittelung von Übertragungen durch Krediturkunden undF orderungsdokumente.
Der auf diesen Faktoren beruhende Geldbedarf wird in den ein-zelnen Ländern reichlicher oder knapper befriedigt, je nachdem dieWohlhabenheit des Landes und die gleichmäfsige Verteilung des Ver-mögens auf weite Schichten der Bevölkerung eine reichlichere Deckungzuläfst und je nachdem der kaufmännische Geist auf eine möglichstwirtschaftliche Ausnutzung der Umlaufsmittel hindrängt.
Die grofsen Unterschiede in den Geldbeständen der einzelnen Länderund namentlich auch in der Quote, die durchschnittlich auf den Kopfder Bevölkerung der einzelnen Länder entfällt, lassen sich durchwegauf diese Faktoren zurückführen. Wenn z. B. Frankreich sowohl proKopf seiner Bevölkerung als auch im ganzen einen soviel gröfserenGeldbestand hat, als die meisten übrigen grofsen Länder, namentlichauch als Deutschland und England'), obwohl Frankreich an Lebhaf-tigkeit des Verkehrs und an Gröfse der jährlichen Umsätze und Zah-lungen hinter Deutschland und England zurücksteht, so erklärt sichdies aus folgenden Gründen:
Zunächst sind die auf eine intensivere Ausnutzung des Bargeldeshinwirkenden Einrichtungen in Frankreich nicht in demselben Mafseentwickelt wie in Deutschland oder gar in England ; infolgedessenwird in Frankreich für die Bewältigung der gleichen Übertragungenein gröfserer Betrag von Bargeld benötigt. Ferner aber ist Frank-reich an Reichtum im Verhältnis zu seiner Bevölkerung jedenfallsDeutschland beträchtlich überlegen: wenn es auch England in diesemPunkte nicht gleichkommen mag, so ist dafür der Reichtum in Frank-reich über die breiten Schichten der Bevölkerung viel gleichmäfsigerverteilt als in den meisten andern Ländern. Es ist mithin ein vielgröfserer Teil der Bevölkerung als anderwärts in der Lage, seinenBedarf an Kassenbestand reichlich zu decken; und gerade die Schichtder mittleren Wohlhabenheit beansprucht im allgemeinen im Verhältniszu dem gesamten Vermögen einen gröfseren Geldbestand, als die reich-sten Haushalte. Dazu kommt beim Franzosen die verhältnismäßiggeringe Ausbildung des kaufmännischen Geistes; es kommt ihm nichtso sehr, wie etwa dem Engländer, darauf an, ob er an dem Bargeld,
1) Vergl. die Tabelle auf S. 193.