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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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444
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444 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

rungen werden vor allem die Kreditverhältnisse betroffen; der Leih-verkehr in Geld, der für die Intensität der Ausnutzung des vorhandenenGeldbestandes von so grofser Wichtigkeit ist, erfährt eine empfindlicheEinschränkung. Für die einzelnen Wirtschaften wird dadurch dieMöglichkeit, sich die Barmittel für die jeweils erforderlich werdendenZahlungen im Wege des Kredits zu beschaffen, in Frage gestellt; siesind infolgedessen genötigt, beträchtlich gröfsere Barbestände als innormalen Zeiten zu halten. Die ausgeliehenen Gelder werden, soweitsie täglich fällige Verbindlichkeiten darstellen oder gekündigt werdenkönnen, in grofsem Umfange zurückgezogen, auch wenn der Gläubigerkeine augenblickliche Verwendung für diese Gelder hat. Dadurchwerden einerseits grofse Beträge von Bargeld brach gelegt, währendandrerseits der aufserordentliche Umfang der Zurückziehung von dar-geliehenem Geldkapital den Bedarf an Zahlungsmitteln in ungewöhn-lichem Mafse anschwellen läfst. Soweit sich die Zurückziehung vonGeldern auf Depositen bezieht, die einem Bankinstitute als Grundlagefür die Kassenführung übertragen worden waren, macht sie sich inder Weise fühlbar, dafs die Bargeld ersparende Wirkung der Kom-pensation der Kassenführung im Wege des Check-, Giro- und Ab-rechnungsverkehrs zu einem grofsen Teile beseitigt wird, und dafsferner die betroffenen Bankinstitute sich ihrerseits genötigt sehen, zurLeistung der von ihnen geforderten Rückzahlungen ausgelieheneGelder zurückzuziehen, sich in ihrer Gewährung von Krediten Zurück-haltung aufzuerlegen und darüber hinaus selbst mit einer starkenNachfrage nach Geld an den Markt heranzutreten. Dazu kommt, dafsdie in normalen Zeiten den Geldbedarf einschränkende Verwendungvon Kreditpapieren, wie namentlich von Wechseln und Checks, zurVermittelung von Übertragungen gleichfalls zu einem grofsen Teile inWegfall kommt, da infolge des allgemeinen Mifstrauens die Zahlungs-leistung in solchen Papieren auf viel gröfsere Schwierigkeiten stöfstals in Zeiten des ungestörten geschäftlichen Vertrauens. Das Ver-sagen des Kredits und der auf dem Kredit beruhenden Zahlungsmittelund Zahlungseinrichtungen bewirkt mithin in kritischen Zeiten eineakute und enorme Steigerung des Bedarfs an Bargeld, die ganz undgar aus dem Rahmen der normalen Gestaltung des Geldbedarfs heraus-fällt.

Ebenso, wie wir innerhalb der grofsen mit der Gesamtentwick-lung der Volkswirtschaften zusammenhängenden, sich über Jahrzehnteund vielleicht über Jahrhunderte erstreckenden Bewegungen des Geld-bedarfs die durch den Wechsel der Konjunkturen hervorgerufenenperiodischen Schwankungen des Geldbedarfs beobachtet haben, ebensolassen sich innerhalb der durch einen guten Geschäftsgang bewirktenAufwärtsbewegungen und der durch eine geschäftliche Depression be-