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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
446
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446 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Reihe von Dingen, namentlich an Kleidung- und Heizung; nach dergleichen Richtung wirkt die Sitte der Weihnachtsgeschenke, durchwelche die Umsätze der letzten Jahreswochen und, da die Händlerund Detaillisten sich vorher decken müssen, der letzten Jahresmonatesehr erheblich gesteigert werden. Jahr für Jahr kehrt infolgedessendie Erscheinung wieder, dafs vom September an der Geldbedarf derVolkswirtschaft wächst, und dafs während der drei letzten Jahres-monate an die grofsen Centraibanken beträchtlich gröfsere Geldan-sprüche herantreten, als in den übrigen Quartalen. Aus den obendargelegten Gründen zeigt der Geldbedarf seinen Höhepunkt meist amJahresschlufs. Nach der Jahreswende pflegt ein rasches und starkesNachlassen des Geldbedarfs einzutreten in dem Mafse, dafs an demStatus der Reichsbank gemessen der deutsche Geldbedarf meistseinen niedrigsten Stand bereits in der zweiten Hälfte des Februarerreicht. Bis in den September hinein treten dann in der Regelabgesehen von den Steigerungen an den Monats- und Quartalswechseln keine erheblichen Veränderungen ein; dann läfst der Beginn desHerbstgeschäftes den Geldbedarf aufs neue anschwellen.

11. Kapitel. Die Oeld Versorgung.§ 1. Die Bedeutung der Edelmetallproduktion für die Geldversorgung.

Solange das Metallgeld die wichtigste Erscheinungsform des Geldesist, kommt für die Versorgung des Geldbedarfs der Volkswirtschaftenin erster Reihe die Edelmetallproduktion in Betracht. Die währungs-politischen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte, durch welche dasSilber aus seiner gleichberechtigten Stellung mit dem Golde mehrund mehr verdrängt worden ist, haben der Silbergewinnung ihre Be-deutung für das Geldwesen der Kulturländer zum grofsen Teil ent-zogen, immerhin keineswegs vollständig, wie die an andrer Stelle 1 )mitgeteilten Zahlen über die Silberprägungen seit 1870 beweisen. Jemehr aber das Prinzip der Goldwährung, das sich mit umfangreicherenSilberprägungen nicht verträgt, zum Durchbruch kommt, desto aus-schliefslicher wird die Goldproduktion für die Befriedigung des im all-gemeinen steigenden Geldbedarfs der Kulturländer in Betracht kommen.England, Deutschland, die Länder des Lateinischen Münzbundes undandere europäische Staaten haben seit ihrer Abkehr vom Silber ihrenGeldumlauf ausschliefslich oder nahezu ausschliefslich durch Gold-prägungen vermehrt; die Vereinigten Staaten von Amerika, die unterder Herrschaft der Bland- und Shermanbill für mehrere MilliardenDollar Silber in ihren Umlauf aufgenommen haben, sind seit derAufhebung der Shermanbill im Jahre 1893 gleichfalls für das Silber

1) Vergl. oben S. 185, 186.