11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 1.
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verschlossen, und die ganze gewaltige Vermehrung der Metallcirkulationdieses Staatswesens hat sich seit jener Zeit nur durch den Zuwachsan Goldgeld vollzogen. In der Goldproduktion haben wir mithindie Quelle zu sehen, aus der bei der gegenwärtigen internationalenWähi'ungsverfassung der Geldumlauf der Kulturwelt in der Haupt-sache gespeist wird.
Je wertvoller ein Gut im Verhältnis zu seinem Gewicht und Vo-lumen ist, je geringer infolgedessen die Kosten seines Transports imVerhältnis zu seinem Werte sind, desto gleichgültiger ist für die Welt-wirtschaft der Ort seiner Produktion. Beim Gold machen die Transport-kosten auch auf grofse Entfernungen nur einen nach Tausendteilenzu berechnenden Bruchteil seines Wertes aus, die Freizügigkeit desGoldes ist somit nahezu unbegrenzt. Während bei gewissen we-niger kostbaren Mineralien, wie Eisen oder Kohle, die Möglichkeitder Produktion im eignen Lande von unabsehbarer Bedeutung für dieganze Volkswirtschaft ist, weil diese wichtigen Stoffe durch jedengröfseren Transport eine beträchtliche Verteuerung erfahren, ist esfür die ausreichende Befriedigung des Geldbedarfs eines Landes un-erheblich, ob es selbst Edelmetall produziert oder nicht. Die euro-päischen Länder, welche Gold überhaupt nicht oder nur in ganzunbedeutenden Mengen produzieren, wie England, Frankreich undDeutschland, haben an der Goldausbeute der Vereinigten Staaten ,Australiens , Südafrikas und Eufslands einen beträchtlichen Anteil er-halten. Auf der andern Seite vermochte z. B. Rufsland trotz seinersehr erheblichen Goldgewinnung viele Jahrzehnte hindurch sich nichtaus der Papierwährung herauszuarbeiten und einen metallischen Um-lauf wiederherzustellen; in ähnlicher Weise haben die VereinigtenStaaten in den 60er und 70er Jahren, als sie bereits das weitauserste Goldproduktionsland waren, Papierwährung gehabt, und noch inden Jahren 1893 und 1894 haben sie die Erhaltung ihrer Währung trotzeiner jährlichen Goldproduktion von mehreren hundert Millionen Markdurch einen starken und anhaltenden Goldäbflufs, der durch die Silber-prägungen und Silberankäufe hervorgerufen war, ernstlich bedrohtgesehen.
Bei der grofsen Beweglichkeit der Edelmetalle läfst sich mithinnur eine allgemeine Beziehung zwischen der gesamten Weltproduktionan Gold oder an Silber auf der einen Seite und dem gesamten sichauf das eine oder andre dieser beiden Metalle richtenden Weltbedarffeststellen. Die Frage, wie sich die Ergebnisse der Edelmetall-produktion auf die einzelnen Länder verteilen, ist eine Frage für sich,die später zu behandeln ist.
Wenn nun dem Weltbedarf an Metallgeld die Weltproduktion anGeldmetall gegenüber steht, so fragt es sich vor allem, ob und wie-