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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
448
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448 Zweites Bucli. XV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

weit Veränderungen des Geldbedarfs und der Edelmetallgewinnungkorrespondieren. Ein flüchtiger Blick über die geschichtliche Ge-staltung der Edelmetallproduktion genügt, um zu zeigen, dafs einesolche Übereinstimmung nicht vorliegt. Die Bewegungen des Geld-bedarfs sind von ganz andern Bestimmungsgründen abhängig, als dieVeränderungen der Edelmetallproduktion, und die Edelmetalle ge-hören nach der ganzen Natur ihres Vorkommens zu denjenigen Gütern,bei welchen der Umfang der Erzeugung nahezu vollständig der Ein-wirkung der veränderten Nachfrage entzogen ist; wenn reiche Gold-felder entdeckt werden, so ist es für deren Ausbeutung und damitfür die Gestaltung der Goldgewinnung gleichgültig, ob der Geldbedarfder Welt steigt oder abnimmt; in Zeiten einer Erschöpfung der be-kannten Produktionsstätten ist es für den Rückgang der Edelmetall-gewinnung nicht von Bedeutung, ob etwa der Geldbedarf der Weltgleichzeitig wächst. Immerhin ist die Bedingtheit der Erzeugung vonGehlmetall durch die Veränderungen des Geldbedarfs nicht bis aufden letzten Best ausgeschaltet. Ohne näher auf die Theorie des Geld-wertes einzugehen, können wir annehmen, dafs ein zunehmender Geld-bedarf bei gleichbleibender oder abnehmender Produktion des Geld-metalls geeignet ist, den Wert des Geldmetalls im Verhältnis zu denübrigen Gütern zu steigern, wodurch in gewissem Umfange der Abbauauch solcher Edelmetall vor kommen, der vorher nicht lohnte, rentabelgemacht werden kann; umgekehrt verhält es sich bei einer Abnahmedes Bedarfs bei gleichbleibender oder zunehmender Produktion einesGeldmetalls. Es liegt jedoch auf der Hand, dafs es sich hier nur umeng begrenzte Bückwirkungen gegen gröfsere Unstimmigkeiten in Be-darf und Produktion handelt, durch welche die Selbständigkeit derBewegungen von Edelmetallproduktion und Geldbedarf nicht berührtwird. Für die Theorie des Geldwertes ist diese Thatsache von grofserWichtigkeit.

§ 2. Die internationale Edelmetall Verteilung.

Wenn wir uns von dem Problem der Geldversorgung der ge-samten Weltwirtschaft zu der Frage der Deckung des Geldbedarfsder einzelnen Volkswirtschaften wenden, so ist zunächst festzustellen,dafs die Versorgung der einzelnen Länder mit Metallgeld sich keines-wegs ausschliefslich auf die Bildung eines Anteils an dem jeweiligneu produzierten Quantum des Geldmetalls erstreckt; neben der Neu-produktion dienen vielmehr häufig genug die im Verlauf langer Jahrein dem einen Lande angesammelten Bestände an Metallgeld dazu,den Geldbedarf eines andern Landes befriedigen zu helfen. Das vorJahrhunderten produzierte und in gemünzter Form umlaufende Goldist ebenso beweglich, wie das Gold, das neu aus der Erde kommt,