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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
452
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452 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung' und Geldwert.

ansammlung verfügen). Auch Verschiebungen im Besitz an inter-nationalen Wertpapieren und einseitige Leistungen, wie Kriegskosten-entschädigungen oder wie der Peterspfennig, gehören hierher.

Dazu kommen scliliefslich noch diejenigen Übertragungen von Bar-geld, die durch den internationalen Reiseverkehr und durch Auswande-rung hervorgerufen werden. Die Ausgaben der sich vorübergehend inder Schweiz, in Italien u. s.w. aufhaltenden Ausländer oder des Fremden-publikums, das etwa in Paris zur Weltausstellung zusammenströmt,ferner die Gelder, welche die Auswanderer bei der Übersiedelung inihre neue Heimat mit sich führen, stellen ebenso wie die Zinszahlungenund die im Wege des Leihverkehrs bewirkten Kapital übertragungeileinen Zuflufs in barem Geld! dar, dem keine entsprechende Waren-ausfuhr gegenübersteht.

Alle diese die internationale Edelmetallbewegung beeinflussendenFaktoren lassen sich auf die Funktionen des Geldes als Tauschmittel(Handelsbilanz), als Zahlungsmittel (Zinszahlungen u.s.w.), als Vermittlerdes Kapitalverkehrs (internationaler Leihverkehr) und als Werttrans-portmittel (Reisenden- und Auswandererverkehr) zurückführen.

§ 3. Die Einwirkung des nationalen Geldbedarfs auf die internationale

Edelmetallbewegung.

Nach der Feststellung der Ursachen, auf welchen die internationalenEdelmetallbewegungen beruhen, entstellt auch hier ebenso wie vor-her hinsichtlich der Edelmetallgewinnung die Frage, wie weit derGeldbedarf bestimmend einwirkt. Die alte merkantilistisclie Auffassung,nach welcher die internationalen Verschiebungen im Edelmetallbesitzausschliefslich durch die Handelsbilanz beherrscht erscheinen, schliefstjede Einwirkung des Geldbedarfs aus; während die Versendung allerübrigen Waren von Land zu Land ganz selbstverständlich als bedingtgedacht wird durch den Bedarf an solchen Waren, sollen allein dieEdelmetalle, weil sie der Grundstoff des zur Bezahlung der übrigenWaren dienenden Geldes sind, von Land zu Land geführt werdennicht durch den auf sie selbst gerichteten Bedarf, sondern durch dasgänzlich aufserhalb ihrer selbst liegende Moment der Ein- und Aus-fuhr der andern Güter, also im letzten Grunde durch den auf andreGüter gerichteten Bedarf; weil Deutschland einen durch die eigene Pro-duktion nicht gedeckten Bedarf an Getreide hat, nicht etwa weil Amerika Bedarf an Gold hat, soll Gold aus Deutschland nach Amerika abfliefsen.

Das Verhältnis erfährt noch keine prinzipielle Änderung, wennman die Handelsbilanz als den bewegenden Faktor durch den weiterenBegriff der Zahlungsbilanz ersetzt. Auch alle die Forderungen undVerpflichtungen, die aus dem Stande der gegenseitigen Kreditgewäh-rung der einzelnen Länder oder aus dem Betriebe von Unternehmungen