456 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgmig und Geldwert.
warum ein Land, das im Wege der eigenen Produktion und des aus-wärtigen Handels alle andern Bedürfnisse bis zu einem gewissen Sät-tigungspunkte zu decken vermag, nicht auch seinen Bedarf an Cirku-lationsmitteln bis zu demselben Grade sollte decken oder einen seinenBedürfnissen entsprechenden Geldumlauf sollte festhalten können.
Wenn freilich die gesamte wirtschaftliche Kraft eines Landeszurückgeht, wenn durch einen Zerfall seiner Produktivität der Gradder Bedürfnisbefriedigung beeinträchtigt wird, dann wird es auch seinBedürfnis nach Cirkulationsmitteln nicht mehr ebenso reichlich wiebisher zu decken vermögen. Die Thatsache , dafs es Ländern mit zer-rütteten wirtschaftlichen und finänziellenVerhältnissen schwer wird, einengeordneten metallischen Geldumlauf aufrecht zu erhalten, widersprichtmithin nicht der Auffassung, dafs auch die internationalen Bewegungender Geldmetalle durch den auf sie gerichteten Bedarf und die Zah-lungsfähigkeit der Nachfrage der einzelnen Länder beeinflufst werden.Freilich ist gerade in Bezug auf die Deckung des Geldbedarfs ein be-sonderer Punkt mit in Betracht zu ziehen. Bei ungenügender Deckungdes Bedarfs kann kein Gut leichter durch Surrogate ersetzt werdenals das metallische Geld; an die Stelle des metallischen Geldes könnenPapierscheine gesetzt werden, während die Güter, die zur Befriedigungvon Nahrung, Kleidung, Wohnung und anderer Bedürfnisse dienen,nicht in einer gleich einfachen und nahezu kostenlosen Weise durchstofflich wertlose Dinge ersetzt werden können. Alle die Störungen,welche sich aus einer ungenügenden Deckung des Bedarfs an Cirku-lationsmitteln ergeben, drängen die mafsgebenden Instanzen, sei es diestaatliche Finanz Verwaltung oder eine mit dem Recht der Notenaus-gabe ausgestattete Bank, nahezu unwiderstehlich dazu, dem Geldbe-darf durch eine stärkere Ausgabe papierner Geldzeichen entgegenzu-kommen. Dadurch wird natürlich die von Hume dargestellte Reaktioneines ungenügend gedeckten Geldbedarfs auf die Handelsbilanz und dieEdelmetallbewegungen ganz oder teilweise ausgeschaltet; die Spannungzwischen Geldbedarf und Geldumlauf, die an sich die internationalenEdelmetallbewegungen zu beeinflussen geeignet wäre, ist durch diePapiergeldemission beseitigt. Die Thatsache, dafs Länder, die im Falleeiner Knappheit an Cirkulationsmitteln zum Auskunftsmittel der Papier-geldausgabe greifen, kein Metallgeld an sich ziehen, beweist mithin nichtsgegen die Theorie, dafs der Geldbedarf, falls ihm auf diese Weise nichtgenügt wird, die Tendenz hat, sich durch die Beeinflussung der inter-nationalen Edelmetallbewegungen Befriedigung zu schaffen.
Ihre völlige Klarstellung können diese Verhältnisse erst auf Grundder noch zu erörternden Theorie des Geldwertes erhalten. An dieserStelle sei zur Erhärtung der Ansicht, dafs sich das Metallgeld aufdie einzelnen Länder im allgemeinen nach Mafsgabe des Geldbedarfs,