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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Die (ield Versorgung. § 3.

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der sowohl den Zinssatz für kurzfristigen Kredit als auch die Gestal-tung des Aufsenhandels beeinflufst, zu verteilen strebt, auf das wich-tigste Beispiel einer durch äufsere Verhältnisse herbeigeführtenStörung der internationalen Cirkulationsverhältnisse, nämlich die fran-zösische Kriegskostenentschädigung und die darauf folgende Reaktion,hingewiesen.

Die Übertragung der 5 Milliarden Franken an Deutschland fandbekanntlich nur zu einem kleinen Teile unmittelbar in Metallgeldstatt.) Abgesehen von geringen Beträgen in deutschen und englischenGoldmünzen wurden etwa 273 Millionen Franken = 220 Millionen Markin französischen Goldmünzen gezahlt; an deutschen Silbermünzengingen etwa 24 Millionen Mark ein, an französischen Silbermünzenetwa 27Ü Millionen Mark. Der weitaus gröfste Teil der von Frank-reich gegebenen Zahlungsmittel bestand in Wechseln und Bankan-weisungen auf deutsche Plätze (zusammen für etwa 2400 MillionenMark), ferner aus Wechseln auf England (für mehr als 500 MillionenMark), auf Holland (für etwa 200 Millionen Mark) und Belgien (füretwa 116 l li Millionen Mark). Davon wurden namentlich die Wechselauf England zum grofsen Teile zum Ankauf von Gold auf dem Lon-doner Edelmetallmarkte verwendet. Im ganzen hat die Reichsregierungin den Jahren 1871 bis 1873 aus der französischen Kriegskostenent-schädigung für etwa 1040 Millionen Mark Gold teilweise unmittelbarerhalten, teilweise aus den nicht in Gold bestehenden Eingängen be-schafft. Für den weitaus gröfseren Teil der Milliarden hat Deutsch-land den Gegenwert in Wertpapieren und Waren empfangen. Diefranzösischen Banken haben grofse Beträge von österreichischen, ita-lienischen und andern fremden Wertpapieren durch Vermittelung- deut-scher Banken an das deutsche Publikum abgestofsen, das infolge derZurückzahlung erheblicher Beträge von deutschen Staatsanleihen imstände war, diese Werte aufzunehmen; sie haben gegen diese Verkäufedie grofsen Beträge von Wechseln auf deutsche Plätze ziehen können,die sie der französischen Regierung als Einzahlung auf die gewaltigenAnleihen zur Verfügung stellten, und welche die französische Regierungals Zahlungsmittel auf die Kontribution an die deutsche Regierungweiter gab. In welchem Umfange der Gegenwert für die von Frank-reich in Zahlung gegebenen Wechsel und Anweisungen in Warenbestand, zeigt die Gestaltung der deutschen Handelsbilanz, derenEinfuhrüberschufs im Jahre 1872 941460 000 Mark, im Jahre 18731 454 245 000 Mark, im Jahre 1874 1251579000 Mark betrug. Be-zeichnend ist, dafs in Frankreich in jenen Jahren an Stelle des vorherbestehenden Einfuhrüberschusses ein Ausfuhrüberschufs getreten ist.

1) Vergl. zum folgenden meineReform des deutschen Geldwesens nach derGründung des Reiches", Bd. II. S. 23Gff ; siehe auch oben S. 169 und 170.