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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
480
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480 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, G-eldversorgung und Geldwert.

Schon bei der Besprechung der Wertmafsfunktion des Geldeswurde davon ausgegangen, dafs der Wert keine den Dingen an sichanhaftende Eigenschaft, wie Ausdehnung, Härte, Farbe u. s. w. ist,dafs er vielmehr lediglich auf den Beziehungen beruht, die das mensch-liche Subjekt zur Aufsenwelt hat; der Wert der Dinge ist infolgedessen nichts, was durch das Sein der Dinge gegeben, in der Sub-stanz der Dinge enthalten wäre; die Bedingungen, auf denen der wirt-schaftliche Wert der Dinge beruht, haben wir vielmehr darin erkannt,dafs die Dinge der Aufsenwelt einerseits Gegenstand eines mensch-lichen Bedürfnisses sind, während andrerseits ihrer Erlangung Hemm-nisse entgegenstehen, deren Überwindung mit Arbeit und Opfern ver-bunden ist. Gegenstand eines Bedürfnisses sind keineswegs nur die-jenigen Dinge, die unmittelbar der Befriedigung der menschlichenBedürfnisse dienen, sondern daneben auch alle diejenigen Dinge, welchemittelbar zur Herstellung und Beschaffung der eigentlichen Konsum-güter Verwendung finden. Nahrungsmittel und Kleidungsstücke,Schmuckgegenstände und Wohnräume stehen in diesem Punkte den Werk-zeugen und Maschinen, den Rohstoffen und Hilfsstoffen, welche derHerstellung der unmittelbaren Verbrauchsgüter dienen, ferner denTransportmitteln, welche sowohl im Produktionsprozefs als auch zurÜberführung der gebrauchsfertigen Produkte an den Ort des Konsumsbenutzt werden, vollständig gleich. Aber auch das Geld, das diewichtige Aufgabe hat, die Übertragungen von Gütern, Nutzungen undLeistungen von Person zu Person zu vermitteln, gehört in diese Reihe;indem es im Produktionsprozefs die sachlichen Produktionsmittel undArbeitskräfte zusammenführt, indem es die fertigen Waren aus derHand der Produzenten zu den Verbrauchern leitet, dient es der Be-dürfnisbefriedigung in derselben Weise, wie alle anderen Arten vonMittelsgütern. Ein Unterschied liegt nur insofern vor, als die Konsum-güter, die eigentlichen Produktionsmittel und die Transportmittel injeder Wirtschaftsverfassung Gegenstand eines Bedürfnisses sind, wäh-rend das Geld lediglicli einem Bedürfnis dient, das nur in unserer aufder freien Selbstbestimmung der Individuen, dem Privateigentum undder Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaftsordnung gegeben ist. So-lange aber diese Wirtschaftsordnung besteht, teilt das Geld mit allenandern wirtschaftlichen Gütern die eine Voraussetzung des wirt-schaftlichen Wertes, dafs es Gegenstand eines Bedürfnisses ist. Andrer-seits teilen alle übrigen Güter mit dem Gelde die Eigenschaft, dafssie einen Wert nicht durch ihr blofses Sein, durch ihre blofse Sub-stanz besitzen, sondern nur dadurch, dafs sie durch die Erfüllung be-stimmter Funktionen direkt oder indirekt die Befriedigung mensch-licher Bedürfnisse bewirken. Ja die Edelmetalle selbst leiten ihrenWert, sobald sie als Geld Verwendung finden, ebensowohl von ihrer