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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
504
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504 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geld Versorgung und Geldwert.

überflüssiges Geld zur Verfügung haben, dieses Geld entweder gegenandere Verkehrsobjekte umsetzen oder gegen Zinsen ausleihen. DieBeschaffung von Geld im Wege des Kredits wird im allgemeinen umso-mehr bevorzugt werden, je niedriger die Zinssätze und je ungünstigerdie Preise sind, die bei einer Veräufserung von Waren u. s. w. erzieltwerden können; ebenso wird die Verfügung über Geld im Wege desKredits umsomehr bevorzugt werden, je höher die Zinssätze und jegeringer die Vorteile des Umsatzes von Geld gegen andere Verkehrs-objekte sind. Dazu kommt, dafs bei höheren Zinssätzen mancher Kaufauf Kredit unterbleibt, während niedrige Zinssätze zum Kauf auf Kreditanreizen. Nun haben wir im Kredit das Medium kennen gelernt, welchesdie mehr oder weniger intensive Ausnutzung des vorhandenen Geld-bestandes vermittelt. Ein steigender Geldbedarf oder eine Verringerungdes Geldvorrates kann durch eine intensivere Ausnutzung des Geldesin seiner Wirkung auf Warenpreise u. s. w. paralysiert werden; da abereine solche gesteigerte Ausnutzung des Geldvorrats nur im Wege einerstärkeren Kreditanspannung möglich ist, so ist ihre notwendige Begleit-erscheinung ein steigender Diskontsatz. Umgekehrt liegt es bei einerZunahme des Geldvorrats oder einer Verringerung des Geldbedarfs.Soweit die Verschiebungen im Verhältnis von Geldversorgung undGeldbedarf innerhalb solcher Grenzen bleiben, dafs sie durch die sichim Wege des Kreditverkehrs vollziehende Verstärkung oder Ab-schwächung der Intensität der Geldausnutzung ausgeglichen werdenkönnen, braucht die Wirkung dieser Verschiebungen nicht auf dasAustauschverhältnis zwischen dem Gelde und den übrigen Verkehrs-objekten überzugreifen. So ist z. B. im normalen Verlauf der Dingekeine Einwirkung der regelmäfsigen Jahresschwankungen des Geld-bedarfs und der Zinssätze auf das Niveau der Warenpreise zu erkennen.

Aber die Intensität der Ausnutzung der Umlaufsmittel hat nachoben und unten ihre Grenzen; es können ebenso wenig beliebige Summenim Wege des Kredits zur Verfügung gestellt wie untergebracht werden.Wenn bei einem Auseinandergehen von Geldbedarf und Geldversorgungdie Geldbeschaffung oder die Verfügung über Geld im Wege des Kreditsinfolge zu hoher oder zu niedriger Zinssätze unmöglich oder unwirtschaft-lich wird, so bleibt schliefslich nur der Weg des Umsatzes andrer Gütergegen Geld oder von Geld gegen andere Verkehrsobjekte. Sobald aberdieser Moment gekommen ist, beginnt die Verschiebung in der Geldver-sorgung und Geldnachfrage auf die Austauschverhältnisse einzuwirken.Der Geldbedarf, der bisher nur an die Banken und den Geldmarkt her-angetreten war, führt jetzt zu einem Ausbieten von Waren und wirktdamit auf eine Senkung der Preise; im umgekehrten Falle führt dasGeldangebot, das bisher sich nur im Leihverkehr fühlbar gemacht hatte,zu einer Nachfrage nach andern Verkehrsobjekten und schafft damit