12. Kapitel. Der Geldwert. § 5.
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die Tendenz zu einer Steigerung der Preise. Auf diese Weise setzensich schliefslich die veränderten Bestimmungsgründe des Geldwertes inder Gestaltung der Austauschverhältnisse durch und bringen damitGeldvorrat und Geldbedarf wieder in das normale Gleichgewicht.
Es liegt in der Natur dieses Prozesses, dafs die Veränderungendes Geldwertes keineswegs gleichzeitig und gleichmäfsig auf sämtlicheAustauschverhältnisse zwischen dem Gelde und den übrigen Verkehrs-objekten einwirken. Wenn die auf der Seite des Geldes wirkendenBestimmungsgründe auf eine Verschiebung der Austauschverhältnissezu Gunsten des Geldes hinauskommen, wenn also eine Geldwert-steigerung eintritt, so wird sich der Rückgang der Warenpreise, Ar-beitslöhne und der sonstigen in Geld bestehenden Äquivalente dort amfrühesten zeigen, wo die Widerstandsfähigkeit gegenüber einer un-günstigeren Gestaltung des Austauschverhältnisses am geringsten ist.Der Grad der Widerstandsfähigkeit der Preise u. s. w. verändert sichin den verschiedenen Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung; aufden früheren Stufen des Verkehrs verleiht das Herkommen und dieSitte — wie wir im historischen Teil gesehen haben — den Austausch-verhältnissen eine grofse Stabilität; je mehr sich der Verkehr ent-wickelt, je mehr sich im Handel Parteien gegenüberstehen, von deneneine jede die kleinsten Verschiebungen in den Marktverhältnissen zuihren Gunsten auszunutzen sucht, desto unmittelbarer und intensiverwirken Veränderungen in den Faktoren der Preisbildung auf die Aus-tauschverhältnisse ein. In diesem Punkte verhalten sich nicht nur dieeinzelnen Entwicklungsstadien der Volkswirtschaft verschieden, sondernauch innerhalb einer und derselben Volkswirtschaft die einzelnen Kreisedes Verkehrs und die einzelnen Verkehrsobjekte. Die Preisbildung istim Grofshandel empfindlicher als im Kleinverkehr; bei den Rohstoffenund Halbfabrikaten, die als Massenartikel die Objekte des Grofshandelssind, ist sie empfindlicher als bei den fertigen Produkten, die ihrenAbsatz im Kleinverkehr finden. Arbeitslöhne und noch mehr für längereZeit fixierte Gehälter haben ein gröfseres Beharrungsvermögen alsWaren, über deren Bewertung der Verkehr Tag für Tag neu ent-scheidet. Dazu kommen die Unterschiede in der Position der einzelnenGruppen von Käufern und Verkäufern. Wer sich gezwungen sieht, zuverkaufen, wird im Falle einer Geldwertsteigerung die Wirkungen früherund stärker verspüren, als diejenigen, welche in der Lage sind, mitihrem Angebot zurückzuhalten. Wer gezwungen ist, zu kaufen, wirdim Falle einer. Geldwertverringerung sich früher genötigt sehen, fürdie von ihm begehrten Verkehrsobjekte höhere Geldpreise zu bewilligen,als diejenigen, welche im stände sind, abzuwarten. In beiden Fällensind die wirtschaftlich Stärkeren im stände, aus den eintretenden Ver-schiebungen auf Kosten der wirtschaftlich Schwächeren Vorteil zu