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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
526
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526 Zweites Buch. 1Y. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung nnd Geldwert.

Wellenbewegungen durch die Verschiebungen im Verhältnis von Pro-duktion und Bedarf bedingt sind, wenn der steigende und ungenügendgedeckte Bedarf die Preise erhöht, wenn dann allein schon infolge dererhöhten Preise und Unternehmergewinne die Produktion sich ausdehntund die Umsätze sich vermehren, so ist die notwendige Folge einegesteigerte Inanspruchnahme des Geldmarktes. Es ist bereits bei derKlarstellung der Schwankungen des Geldbedarfs auf diesen Einflufsder vermehrten Umsätze und erhöhten Preise hingewiesen worden.Der einzelne Unternehmer sucht sich gegenüber den gröfseren Um-sätzen und erhöhten Preisen zu helfen, indem er einen stärkerenKredit in Anspruch nimmt, vor allem indem er auf gröfsere Be-träge Wechsel zieht oder auf sich ziehen läfst, die dann zur Dis-kontierung gebracht werden und den Diskontsatz steigern. Wennumgekehrt die Warenproduktion die Aufnahmefähigkeit des Marktesübersteigt, wenn infolgedessen ein Rückgang der Preise und Unter-nehmergewinne, eine Lähmung des Unternehmungsgeistes und eineEinschränkung der Umsätze eintritt, so ist die notwendige Folge einegeringe Inanspruchnahme des vorhandenen Geldbestandes und eineErmäfsigung der Zinssätze für kurzfristigen Kredit.

In diesem Lichte betrachtet, stellen sich mithin steigende Diskont-sätze als die Folge steigender Preise und wachsender Umsätze, niedrigeDiskontsätze als die Folge sinkender Preise und abnehmender Um-sätze dar.

Nun haben wir aber bei der Betrachtung der Begleiterscheinungender Geldwertveränderungen einen umgekehrten Kausalnexus festge-stellt: die auf Veränderungen in Geldversorgung und Geldbedarf be-ruhende Erhöhung der Diskontsätze übt, wie wir gesehen haben, einenDruck auf Preise und Umsätze aus, während eine Ermäfsigung derDiskontsätze die Tendenz hat, eine Steigerung der Preise und Um-sätze zu bewirken. Es liegt mithin eine Wechselwirkung zwischenden Preisen und Umsätzen auf der einen Seite, den Diskontsätzen aufder andern Seite vor; ein Wechselwirkungsverhältnis, bei welchem dieWirkung modifizierend auf die Ursache zurückwirkt. An sich kannjeder der beiden Faktoren sowohl die ausschlaggebende Ursache als auchdie lediglich modifizierende Wirkung sein. Die Erhöhung der Preiseund Steigerung der Umsätze kann die Ursache der Erhöhung derDiskontsätze sein, während letztere lediglich modifizierend auf Preiseund Umsätze zurückwirken; oder aber die Steigerung der Diskontsätzeist die Ursache des Rückganges der Preise und Umsätze, und dieser Rück-gang übt lediglich eine einschränkende Rückwirkung auf die Steigerungder Diskontsätze aus. Die erstere Möglichkeit setzt voraus, dafs derAnstofs und das treibende Moment der Entwicklung auf der Seite derWaren liegt; die letztere Möglichkeit ist gegeben, wenn der Anstofs