12. Kapitel. Der Geldwert. § 8.
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und das treibende Moment vom Gelde ausgeht. Je neutraler undindifferenter sich das Geld in diesen Vorgängen verhält, desto deut-licher mufs die Abhängigkeit der Diskontsätze von den Preisen undUmsätzen in Erscheinung treten. Denn eine durch eine Erhöhungder Preise bewirkte Diskontsteigerung kann nicht durch eine Geld-verteuerung erklärt werden, da eine solche ja in sinkenden Preisenzum Ausdruck kommen müfste; und ein niedriger Diskontsatz, derauf sinkenden Preisen beruht, läfst sich nicht auf eine Geldentwertung,der steigende Preise entsprechen müfsten, zurückführen. Solange inder thatsächlichen Entwicklung die Bewegung der Diskontsätze in demMafse, wie es in den letzten Jahrzehnten der Fall war, von der Gestaltungder Preise und der gesamten wirtschaftlichen Konjunktur beherrschtist, haben allerdings diejenigen, welche eine Geldverteuerung nachweisenwollen, zu jeder Zeit die Möglichkeit, entweder einen Preisrückgangoder steigende Diskontsätze für ihre Ansicht ins Feld zu führen; undwer die deutsche bimetallistischeTageslitteratur vom Ende der 70er Jahrean verfolgt, der bat Gelegenheit, mit jedem Umschwünge der Konjunkturdiesen Wechsel des Beweisinstrumentes zu beobachten. Aber umgekehrtkann man dem Preisrückgang stets die gleichzeitige Ermäfsigung der Dis-kontsätze, der Steigerung der Diskontsätze stets die gleichzeitige Erhöhungder Preise als Beweis gegen eine Geldknappheit und Geldverteuerung ent-gegenhalten. In Wirklichkeit beweist das regelmäfsige Zusammenfallenvon Preissteigerung und Diskonterhöhung, von Preisrückgang undDiskontermäfsigung nichts anderes, als dafs der Einfiufs des Geldessowohl auf die Bewegung der Preise als auch auf die Schwankungender Diskontsätze gänzlich hinter der Einwirkung der allgemeinenwirtschaftlichen Verhältnisse und Bewegungen zurücktritt; dafs dieauf Seite des Geldes wirksamen Bestimmungsgründe sowohl in derPreisbewegung als auch in den Veränderungen des Diskontsatzeshöchstens modifizierend und deshalb latent, nicht aber entscheidendund deshalb greifbar zum Ausdruck kommen.
Soweit das Geld in;dem geschilderten Zusammenhange einen rück-wirkenden und modifizierenden Einfiufs auf die grofsen volkswirtschaft-lichen Bewegungsvorgänge ausübt, erfüllt es die aufserordentlich wich-tige Funktion eines Regulators der periodischen Schwingungen desWirtschaftslebens. Wenn eine aufsteigende Konjunktur mit ihren er-höhten Preisen und Umsätzen eine intensivere Ausnützung des vor-handenen Geldbestandes und damit ein Anziehen des Diskonts zurFolge hat, wenn ferner die erhöhten Diskontsätze eine retardierendeWirkung auf die Preissteigerung und die Ausdehnung der Unter-nehmungen ausüben, so liegt in dieser vom Gelde ausgehenden Rück-wirkung eine gewisse Eindämmung der Gefahr spekulativer Ausschrei-tungen in Produktion und Handel und eine Milderung des auf die