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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
528
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528 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung- und Geldwert.

Übertreibungen einer günstigen Konjunktur regelmäfsig erfolgendenRückschlages. Wenn umgekehrt bei einer allgemeinen Depression derZinsfufs für kurzfristigen Kredit sich ermäfsigt, so erleichtert derniedrige Zinsfufs die Überwindung der schwierigen Zeit und befördertdas Wiederaufleben des Unternehmungsgeistes.

§ 9. Das Ideal eines Geldes von unveränderlichem Wert.

Die Vorstellung der gegen die Prinzipien der Gerechtigkeit ver-stofsenden und die wirtschaftliche Entwicklung ungünstig beeinflussen-den Wirkungen der Veränderungen des Geldwertes haben den Wunschnach einem in seinem Werte absolut stabilen Gelde laut, werden lassen,nach einem Gelde, dessen Angebot jederzeit in ungestörtem Gleichgewichtmit dem Geldbedarf gehalten werden kann, so dafs von Seiten des Geldesniemals irgendwelche Einwirkungen auf den Gesamtprozefs des Wirt-schaftslebens ausgehen könnten. Soviel gröfser als bei allen anderen Wert-gegenständen auch die Sicherheiten sein mögen, welche die Edelmetalle,insbesondere das Gold, als Grundlage des Geldwesens für eine Stabilitätdes Geldwertes bieten, so sehr auch diese Sicherheiten durch die elastischeErgänzung, die das moderne Geldwesen durch die auf Kredit beruhendenZahlungsmittel und Zahlungseinrichtungen erhalten hat, verstärktwerden mögen, so bleibt doch bei den auf den Edelmetallen begründetenWährungen der Geldwert elementaren Einflüssen ausgesetzt, die sichjeder planmäfsigen Regulierung entziehen. Im Gegensatz zu den metalli-schen Währungen haben wir in der Papierwährung eine Geldver-fassung kennen gelernt, die, rein theoretisch betrachtet, die Regulierungdes Geldwertes in die Hand der staatlichen Organe zu geben scheint.Die Geldversorgung ist in einer solchen Geldverfassung nicht ab-hängig von Vorgängen, die aufserhalb unseres Machtbereiches stehen,wie etwa von der Höhe der Edelmetallgewinnung oder den inter-nationalen Edelmetallbewegungen; sie liegt vielmehr ganz im Beliebenderjenigen Instanzen, welche die Ausgabe des Papiergeldes besorgen.An und für sich erscheint es mithin möglich, bei einer solchen Geld-verfassung die Geldversorgung jederzeit in voller Übereinstimmungmit dem Geldbedarf zu halten und so eine volle Stabilität des Geld-wertes und eine gänzliche Indifferenz des Geldes in den wirtschaft-lichen Vorgängen herbeizuführen.

Es kommt hinzu, dafs in gewissem Sinne das reine Papiergeldden äufsersten Punkt der Entwicklungsgeschichte des Geldes bildet.Während ursprünglich nur Gebrauchsgüter Geldfunktionen verrichteten,während die metallischen Münzen durch Einschmelzung und Verarbeitungjederzeit in Gebrauchsgüter verwandelt werden können, und währendihr Wert anfangs ausschliefslich, später mindestens noch teilweise aufder Möglichkeit ihrer Umwandlung in Gebrauchsgüter beruht, ist das