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Die Photographie historischer Dokumente : nebst den Grundzügen der Reproduktionsverfahren / von P. R. Kögel
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Dunkelgrün 100, von Rot 24. Bei solch abnehmender Lichtreflexionmuß das Bild an Kontrasten verlieren. Die nützliche Belichtungsdauerhat daher ihre Grenzen, jenseits welcher das Bild Schleiern muß.

Der Verfasser glaubte nun, daß die Photographie ohne Kameraam Tageslicht einen wünschenswerten Fortschritt bedeuten würde,ln dem D. R. P. 214 006 wurde der erste Versuch niedergelegt.

Man legt auf das Original eine Sannsche Chlorsilber-Diapositiv-folie. Die Beleuchtung erfolgt durch ein gelbgrünes Lichtfilter unddie Rückseite des Films.')

Man erhält so ein ziemlich kräftiges Bild, das mit dem Ensynoid-Developper der Hougton-London , Ltd (D. R. P. 182 670 kl. 57 b) ver-stärkt, mit Gaslichtpapier eine Kopie liefert, wie sie von einem Brom-silbernegativ mit gewöhnlichem Auskopierpapier erreicht wird.

Das Bild auf dem Film ist seitenrichtig. Die lichtempfindlicheSchicht kann in Wasser meistens leicht abgezogen und auf Papier übertragen werden.

Bei Sonnenlicht genügt eine Beleuchtung von etwa 10 Minutennotwendig, wenn das gelbgriine Schutzfilter nicht zu dicht ist.

Das Verfahren ist wegen des zu verwendenden Film etwas teuer,könnte aber durch abziehbares Papier mit angefärbtem Filz bedeutendverbilligt werden.

Das Verfahren wird eine Zukunft aber erst dann haben, wennes gelingt, ein lichtempfindlicheres Material als Chlorsilber zu finden,und das zugleich eine kurze Gradation besitzt.

Alle bisher erwähnten Verfahren geben Weis auf Schwarz-Bilder,also ein Negativ.

In einer später zurückgenommenen Patentanmeldung hat GustavKöllner von Mainz seine Versuche beschrieben, mit Bichromatgelatinedirekte Positive hersustellen. Es sollen auf diese Weise Diapositiveerzielt werden, welche hinreichend kräftig sind, um zu Projektions-zwecken dienen zu können. Mit Pinatypiefarben sollen sie auch Ab-züge liefern.

Schwarz auf Weiß-Bilder könnten vielleicht auch mit Ferro-typepapier u. dgl. hergestellt werden.

Kontaktoxydationsverfahren.

Der Vollständigkeit halber sollen auch diese Verfahren Schriftenohne Kamera sichtbar zu machen, erwähnt werden.

Die diesbezüglichen Versuche mit modernen Tinten stammen vonProf. Dr. Reiß, Lausanne her. Dieselben hatten die Bestimmung den

') Aus der Vorprüfung der Patentanmeldung hat sich ergeben, daß diePlayertypie und selbstverständlich das offiziell veröffentlichte ArnhardscheVerfahren dem kaiserl- Patentamt bereits bekannt war. Bei dem neuenMaterial bildet sich Silberchlorür (Photochlorid), das allein durch die gelbenStrahlen sich verstärkt, so daß das Bild durch zwei Faktoren erzeugt wird,durch den Reflex der Strahlen und durch aktinische Entwicklung.