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kein Anzeichen der Erschöpfung weder beim Gold noch beim Silber,insbesondere wird auch heute noch 80 °/o alles Silbers und 35 °/oalles Goldes in Amerika dem Boden entnommen. Es geht hieraushervor, in wie hohem Grade die Preisfrage des Silbers eineamerikanische Frage ist.
Bei weitem der größte Teil dieser Massen von Edelmetallentstammt dem durch die ganze Länge des Erdteils von Nord nachSüd gehenden Zuge der Felsengebirge und der Anden. Esherrschen hier vom nördlichen Kalifornien bis zum mittleren Chileganz ähnliche Lagerungsverhältnisse. Der westliche, dem stillenOcean zugewandte Teil des Gebirgszugs besteht aus geologischälteren Formationen und enthält zahlreiche goldhaltige Gänge,während der landeinwärts gelegene, von jüngeren Eruptivgesteinengehobene Teil mehr silberhaltige Gänge und Lager enthält, ohnedaß jedoch auch hier das Gold ganz fehlt. In diesem östlichenZug liegen alle die mächtigen Vorkommen, welche die großenplötzlichen Überraschungen gebracht haben, welche auf dem Edel-metallmarkt aufgetreten sind, hier liegt Poiosi u-nd der Comstock,Leadville und die anderen berühmten Silberproduktionsstätten inColorado , Montana und Chile. Dagegen hat der westliche Ge-birgsrand den Goldreichtum von Kalifornien , Neugranada und Chilegeliefert.
Gehen wir die wichtigsten Gebiete des großen Doppel-kontinents einzeln durch, so ist Mexiko das erste Land, welchesnach der Entdeckung von Amerika Silber in größeren Mengennach Europa geliefert hat. Hier erkannten die Spanier bald nachder Eroberung den Reichtum des ausgedehnten Hochplateaus anSilbererzgängen und nahmen dieselben bis in bedeutende Tiefen inAngriff. In dem langen Zeitraum von 1540—1809 entwickeltesich — seit 1557 unterstützt durch die für das holzarme Land sowichtige Erfindung des Amalgamierungsprozesses — die Silber-produktion aus kleinen Anfängen. Noch in den Jahren 1690—1700betrug dieselbe nur 70—90 Tonnen jährlich und stieg dann ganzlangsam aber stetig bis auf 540 Tonnen. Im Jahre 1810 abererlitt die Produktion in Folge der Kämpfe gegen Spaniens Ober-herrschaft einen Rückschlag bis auf weniger als die Hälfte. Die Er-holung ging so langsam von statten, daß erst 1870 die Produktionvon 1809 wieder annähernd erreicht war. Auch 1884 betrug dieselbeerst 056 Tonnen. Dann aber trat mit den konsolidierten politischenVerhältnissen ein bedeutender Aufschwung ein uud 1894 wurden 1463Tonnen Silber neben 6771 KZ Gold produziert. Die alten Gruben,welche zum Teil noch heute betrieben werden, sind meist 300—400 m,einzelne über 600 m tief und es sind die Erzgänge in dieser Tiefeimmer noch gut. Es werden aber auch alljährlich neue Gänge inAngriff genommen. Die Hauptmasse der Erze ist bleiarm undbedarf zur Verhüttung des Quecksilbers, aber seit 1879 sind im