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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluss auf den Geldwert / Gustav Kluepfel. Ver. z. Schutz d. deutschen Goldwährung
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des Geldbedarfs nicht eintreten wird. Eine in Aussicht stehendeGeldvermehrung von 2223 Milliarden innerhalb 20 Jahrenwird daher ohne Zweifel zum großen Teil dazu dienen, den Geld-wert wesentlich zu verringern, mit anderen Worten: die von denBimetallisten manchmal geleugnete, von der überwiegen-den Mehrzahl ihrer Anhänger aber offen oder heimlichsehnlichst gewünschte Geldverschlechterung würde sicher-lich kommen, wenn der bimetallistische Weltvertragzur Wahrheit würde.

V. Ist bei der Goldwährung eine Geld-Verteuerung zu befürchten?

Von den Bimetallisten wird gewöhnlich die Frage in denVordergrund der Erörterung gestellt, ob die erhöhte Produktiondes Silbers oder die münzgesetzlichen Maßregeln der europäischenStaaten schuld an dem Preisfall des Silbers sei, und wird danngewöhnlich die Behauptung aufgestellt, daß nur die letzteren dieKalamität der Silberentwertung veranlaßt haben. Dies sei ins-besondere durch die englische Silberkommission von 1889 bewiesenworden. In Wahrheit resümiert dieselbe ihre Meinung dahin,daßdie wahre Erklärung (des Preisfalls des Silbers) in einerKombination von Ursachen zu suchen ist und nicht einer Ursacheallein zugeschrieben werden kann". Zu dieser Erkenntnis hättees freilich keiner Kommission bedurft, denn es ist an sich klar,daß bei gleichzeitiger Einschränkung der Nachfrage und Erhöhungder Produktion ein bedeutender Preisfall eintreten mußte. Übrigensist dieser Preisfall keineswegs die Hauptfrage, um die es sich beidem Währungsstreite handelt. Das Schicksal des Silberpreisesist schließlich Nebensache, die Nachteile der Silberentwertung werdenungeheuer übertrieben: der volkswirtschaftliche Verlust kommt wenigin Betracht, in Deutschland handelt es sich um jährlich 15 Mil-lionen Mark. Der Übelstand der unterwertigen Silbermünzenist auch nicht so schlimm als man behauptet: die Gefahr derNachprägung ist bis jetzt immer noch eine bloße theoretische Mög-lichkeit und der Umstand, daß die Reichsbank mit einem Wert-pfand von. entbehrlichen 200 Millionen Mark (der Rest ist nichtentbehrlich) in alten Thalern belastet ist, welches nur 100 Mil-lionen Mark wert ist, fällt bei der hohen Golddeckung der Reichs-banknoten (im Jahr 1894 durchschnittlich 62°/o) wenigstens nichtstark ins Gewicht. Was endlich die Schädigung des Handels mitOstasien betrifft, so ist der bisherige Hauptfehler, der stete Wechseldes Silberkurses, schon im Laufe des letzten Jahrs höchst unbe-deutend gewesen und es scheint sich in der That die Silberpro-