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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluss auf den Geldwert / Gustav Kluepfel. Ver. z. Schutz d. deutschen Goldwährung
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u. a, auch verhältnismäßig mehr gewachsen ist als vor 300 Jahren,und es ist daher nicht wunderbar, daß bis jetzt, wo die Periodeder vermehrten Edelmetallproduktion noch nicht halb so lange inWirksamkeit ist, wie damals und wo der Geldvorrat der westlichenKulturwelt erst um 68°/« gestiegen ist gegenüber einem Steigenvon 200 °/o in der damaligen Periode die Geldentwertung unsererZeit keine so große sein kann wie damals. Gleichwohl wurde dieThatsache einer solchen bis vor kurzem von den Nationalökonomenin Deutschland allgemein anerkannt, z. B- Prof. Cohn in Göt-tingen giebt dieselbe in seinem 1885 erschienenen Lehrbuch ohneallen Vorbehalt zu etwa 20°/o an. Erst seit dem Anschwellender bimetallistischen Agitation wird dieselbe nnn vielfach geleugnetund sogar von einer Geldverteuerung gesprochen. Wir werdendiese Behauptung im nächsten Kapitel noch besonders besprechenund wollen hier nur darauf hinweisen, daß unsere Produktions-wertkurve auch in dieser Beziehung zur richtigen Spur führt.Es zeigt sich in derselben, ganz besonders, wenn wir die im Jahr1853 erreichte scharfe Spitze zur Ausgleichung der darauf folgen-den Einsenkung verwenden, deutlich, daß in der That von 1870bis 1885 eine Stockung des Fortschritts der Edelmetallproduktionstattgefunden hat. Es ist also wohl möglich, daß in dieser Zeitauch die in den vorhergehenden 20 Jahren entstandene Geldent-wertung wenigstens in den Ländern, welche den Goldstrom zuerstaufgenommen haben, also namentlich in England , wieder durcheine Periode der Geldverteuerung zum teil oder ganz zu nichtegemacht worden ist. Aber angesichts der von 1885 an neu ein-getretenen Steigung der Wertkurve kann dieser Umstand nur vonkurzer und lokaler Bedeutung sein. Im ganzen wird jeder Un-befangene aus der Betrachtung der Wertkurve den Eindruck ge-winnen, daß wir uns in einer Periode der Geldentwertungbefinde n müssen, wenn Europa uud Nordamerika fortfährt,gleichzeitig beide Edelmetalle als Wertmesser zu benützen.Diese Geldentwertung müßte umso stärker werden, wenn die Silber-Produktion und damit auch die gemeinschaftliche Wertkurve der Edel-metalle durch die Art und Weise der Feststellung der Wertrelation nochweiter gesteigert würde. Wenn nun von den Bimetallisten behauptetwird, daß der Steigerung der Edelmetallproduktion eine ebenso großeSteigerung des Geldbedarfs gegenüberstehe, so ist diese Meinungwenigstens, was die Zukunft betrifft, ganz unhaltbar. Die Periodeder großen Verkehrsentwicklung, die Periode der Besiedlung ganzerKontinente liegt im Wesentlichen hinter uns. Die KolonisationSüdafrikas läßt sich mit der vom Westen Nordamerikas und dervon Australien nicht vergleichen. Die Entwicklung Ostasiens wirdden Geldbedarf der Handelswelt nur sehr langsam steigern, undin Europa und Nordamerika ist schon durch das Anwachsen desAbrechnungsverkehrs dafür gesorgt, daß eine große Vermehrung