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tauschen, denn einen vernünftigen Zweck (d. h, einen Vorzug vor demviel bequemeren Gold) haben dieselben nicht, da das amerikanische Publikum sich beharrlich weigert, mehr als 550 Millionen MarkSilber in den Verkehr aufzunehmen. Wenn nun außer diesen beidenbeständig drohenden SilberzuMssen innerhalb 20 Jahren noch 12Milliarden Mark neuer Produktion hinzukommen, so ist weder dieSilberüberschwemmung noch die Goldentziehung sehr fern liegend.
Im übrigen liegt es uns viel näher, die Frage zu unter-suchen, ob die 10 Milliarden Gold und die 12 MilliardenSilber, welche die westliche unter einem Währungsbnnd vereinigteVerkehrswelt innerhalb 20 Jahren aufzunehmen haben würde,also eine Geldvermehrung in dieser Zeit von fast 100°/° nicht be-deutend genug wären, um eine Geldentwertung befürchten zu lassen.Wir sind hiemit an der Stelle des Währungsproblems angelangt,wo wir uns darüber zu erklären haben, in wie weit wir es für er-wiesen erachten, daß eine starke Vermehrung des Geldvorrats derWelt eine Geldentwertung zur Folge hat. Es ist ja richtig, daß manheute in der Wissenschaft nicht mehr ein unmittelbares Verhältnis derPreise zur vorhandenen Geldmenge (sog. Quantitätstheorie) anerkennt.Nur in einfacher Wirtschaft wirkt Metallvermehrung direkt auf diePreise, in der heutigen Kreditwirtschaft kann dieselbe schon wegen derBankdeckung, welche sich erfahrungsmaßig in sehr weiten Grenzenbewegen kann, nur mittelbar wirken. Diese Verhältnisse werden aberhinlänglich berücksichtigt, wenn wir an der Hand unserer 400 Jahreumfassenden Produktionskurven die Beziehung der Produktionsände-rung zu der Geldwertveränderung in großen Zügen betrachten. Wirnehmen daher von vornherein an, daß eine sehr allmählich an-steigende Kurve keine Geldentwertung vermuten läßt, da in diesemFalle zu erwarten ist, daß der Geldbedarf entsprechend der Geld-produktion steigt. In gleicher Weise können die Fälle eines raschenSteigens und ebenso raschen Fallens nicht in Betracht kommen,da in solchen Fällen die Ausgleichung von selbst kommt. Sehenwir nun unsere einen Zeitraum von 400 Jahren umfassende Edel-metallwertkurve hierauf an, so werden wir überhaupt nur zweiFälle finden, in welchen von vornherein eine Periode der Geld-entwertung als wahrscheinlich betrachtet werden kann. Der eineFall ist die Steigerung, welche um das Jahr 1520 beginnt, bis1550 ungemein rasch vor sich geht, dann langsam bis 1600 sichfortsetzt und dann ganz allmählich wieder in ein Sinken umschlägt.Den zweiten Fall bildet die Steigerung um das Jahr 18-18, dieselbeerreicht schon 1853 einen vorläufigen Höhepnnki, erleidet dann einekleine Stockung, ist aber seit 1885 von neuem in starkem Steigen be-griffen und das Ende der Steigerung ist vorläufig noch nicht ab-zusehen. Der erste Fall ist durch die plötzlich erscheinende Silberaus-beute iu Mexiko und Bolivia, der zweite durch die ebenso plötzlicheGoldausbeute iu Kalifornien und Australien veranlaßt. Beide