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Die Währungs-Debatte im englischen Unterhaus vom 17. März 1896
Entstehung
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Vorwort.

Dic Verhandlungen des englischen Unterhauses vom 17. März 1896bedeuten die Lösuug des ^cardiualpuuktes des Währungsprobleins, nämlich der^rage der praktischen Ausführbarkeit des internationalen Bimetallis-mus. Zugleich stellen sie den Abschluß eines von lcmger Hand vorbereitetenund namentlich auch im 'Ausland betriebene» Ansturms gegen die deutsche Gold-währung dar, Vorbereitet war er von derSilbernen Internationale" schon1892 worden, als sich voraussehen liest, daß die nordamerikanische Regierungdie widersiuuige Aufspeicherung von Silber, zn der sie durch die ^hermcmbillgezwungen war, nicht mehr länger fortsetzen könne, Dicse Eventualität,von der ein starker Silbersturz zn gewärtigen war, erschien nach demergebnislosen Verlauf der Juteruationalcn Brüsseler Konferenz vom De-zember 1.892 als unvermeidlich - ihr kam die indische Regierung durch dieSchließung ihrer Münzstätten am 26. Juni 1893 zuvor. Einige Monatedaraus, am 1. Nov. 1893, erfolgte die Aufhebung der Sherman-Atte,(derznfolge der amerikanische Fiuauzmiuistcr alljährlich ein Dritteil derZ Überproduktion 4'/z Mill. Unzen im Monat aufkaufen mnstte). In-folgedessen sank auch der Preis des Silbers, wie erwartet, in der Heit vomInni 1893 bis März 1894 von 38'/, auf 27 Peine per Unze.

Durch das Fiasko der Brüsseler Münzkonferenz nnd dnrch denrapiden Preissall des Silbers sahen sich die amerikanischen Miuenbcsiyerveranlaßt, dic Bearbeitung der öffentlichen Meinung mit den in Amerika geläufige» Mitteln wieder anfznuehmeu; dic freie Silberprägnng solltedas Feldgcschrci für die nächste Präsidciitenwahl werde». Zu gleicherZeit, im Frühjahr 1894, hatte in Deutschland der Abschluß des HandelsVertrages mit Nußland bei den Agrariern die Hoffnung erweckt, daß derdamalige Reichskanzler Eaprivi als Gegenleistung einem Doppelwährungs-bund Vorschub leisten werde. In Lonenshirc sodann wurde die bedräugte Lageder Baumwollindustrie und der allgemeine Preisrückgang lediglich dem Silber -stnrz nnd dem ungünstigen Wechselkurs auf Indien zur Last geschrieben.All diese Interessenten nun vereinigten sich zu einem neuen Vorstoßgegen die Goldwährung; im Mai 1894 besprachen sie ans der inter-nationalen Konferenz in London , welchc Aussichtcu auf praktische Durch-führung der internationale Bimetallismus in den einzelnen Staaten habe.

Schon vor dem Abschluß des russischen Handelsvertrags (am2V. März 1894) war von dem Reichskanzlcr Eaprivi die Silbcr-Enanste-Kommissiou einberufen worden. Das Ergebnis dicscr.^ommissiousbcratungen,wie es von dem Vorsitzeudeu Posadowsky am 6. Juni 1894 zusammeugesaßtwurde, war alles eher als dem Bimetallismus güustig. Im Hinblick hierausbeschloß derDeutsche Bimetallisteubuud", der sich im Februar 1895 neukonstituierte, die industriellen Bezirke krästig zu bearbeiten, nnd zugleichdie Einführung der Doppelwährung als das den Antrag Kanitz be-gleitende zweitegroße Mittel" zur Beseitigung der Notlage der Landwirt-schaft wiederum in der seit Jahren gewohnten Weise in Massenversamm-lungen anzupreisen.