Druckschrift 
Die Währungs-Debatte im englischen Unterhaus vom 17. März 1896
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4

Der weitere Verlans des Währnngsslreites ist noch frisch in derErinnerung. Es begann ein internationales -Kesseltreiben zu dein Zweck,je im Parlament des Nachbarlandes am Tage der Debatte eine günstigereStimiunng für die Doppelwährung hervorzurufen und die ausländischeVerhandlung als Waffe gegeu die einheimische Regierung zu beuützeu.Die englischen Bimetallisten suchten in de» Augen Deutschlands und die deutscheu Bimetallisten in den Augen Englands den Schein zuerwecken, als hätten sie ihre Regierung uud ihr Poll hinter sich. ImFebruar 1895 benützten die Agrarier eine Erklärung des damaligen sran-zösischen Ministers Ribot dazu, um im Reichstag einen Antrag nnf Ein-berufung einer Münztonfercnzbehnfs internationaler Regelung derWährungsfrage" durchzudringen. Für die Preisgabe der bestehendenGoldwährung und Einführung der Silbcrsreiprngnng hätte sich der Reichs-tag nicht gennnnen lassen; aber von einer internationalen Vereinbarungüber eine erhöhte Silber-AnSmünznng glaubte die Mehrheit, daß sieuoch auf dem Boden der Reichswährung versucht werden könne, ohneihr, wie der Reichskanzler beisetzte, zn vrnjudizieren. Nachher allerdingssuchte» die Agrarier dem Antrag des Reichstags vom 16. Fcbrnar 1695,wonach der Reichskanzlerbehufs internationaler Regelung der Wnh-rnngsfrage" die Einladung zu eiuer iuteruationalen Währnngskoufercnzergehen lasse» sollte, durch die Beschlüsse des Herreuhauses vom 16. Mar1895 nnd des prenßischen Abgeordnetenhauses vom 21. Mai 1895 denSinn unterzulegen, als habe damit die Mehrheit des Reichstags als dasEndziel der internationalen Verhandlungen die Einführung der Doppel-währung erklärt; eine Regelung der Währnngsfrage ohne einen iuteruatio-ualeu Toppelwährnngsbuud sei nicht möglich! wer daS Ziel wolle, müsseauch das Mittel wollen. Das Hauptinteresse jedoch konzentrierte sich umdie Haltung Englands. Das? England einen kontinentalen Doppcl-ivährungsbund gerne sehen würde, war selbstverständlich, da es damitzwei Fliegen ans einen Schlag trcsseu würde- die englische Geschäftsweltwürde damit wieder ein Univcrsalwechsclbnrenn erlangen, wie es ein solchesbis zum Jahr 1873 in Paris gehabt, und je nach der Konjunkturbald Gold, bald Silber an sich ziehen; durch die Mttnz-Union würdeferner die lästige Konkurrenz der deutschen Goldmark beseitigt, sowie dieindische Regierung in der Tilgung ihrer (Zins- u. a.) Verpflichtungen und dieBanmwollindnstrie von Lancashire in ihrem Export nach Indien gefördert.Es handelte sich nur darum, welche 5?pfer England selbst hiefür dringenwolle. Daß es selbst alles zur Einführung der Doppelwährung thnnwolle, behaupteten die Bimctallisteu schon seit Jahren; schon im Jahre1878 erklärte Eernnschi den Augenblick zu einem entscheidenden Vorstoßfür gekommen. Als min vollends, Mitte 1895 ein konservatives Kabinetgebildet wurde uud mehrere Bimetallisten wichtige Posten darin erhielten,stand es bei den Anhängern der Doppelwährung, wie Arendt in seinemLeitfaden der Währnngsfrage verkündete,fest, daß das englische Unterhaussich für Einführung der Doppelwährung entscheiden werde; die Tage der'Goldwährung sind auch in England gezählt."

Die Bimetallisten hatten ihre ganze Hoffnung auf ihrcu Gesinnungs-genossen Bnlfonr, das neue Mitglied des englischen Kabiucts, gesetzt. At>erschon am 22. August 1895 gab er im Uutcrhause die Erklärung nb, daßdie Aussichten sür die internationale Konferenz nicht günstig seien, undzwar, wie er zu Anfang September 1895 uud am 8. Febrnar 1896 an-